CROSSMEDIA
28
April2015

„Oder man wird YouTuber.“ ZDF-Moderator Jo Schück über Fernsehen, Kultur und YouTube

Kultur kann auch cool. Spätestens seit 2014 ist Jo Schück, Jahrgang 1980, ein lebender Beweis dafür. Im ZDF-Format „Aspekte“ führt er abwechselnd mit seinen Kollegen Tobias Schlegl und Katty Salié durch die Sendung, die es immer wieder schafft, Kultur jung und frisch wirken zu lassen. Bei der MEDIA CONVENTION, die in Kooperation mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) und der re:publica am 5. und 6. Mai stattfindet, ist er mit von der Partie und spricht über die Medienwelt.

Für nextMedia.Hamburg hat er bereits jetzt Sätze zum Fernsehen, zur Kultur und YouTube vervollständigt – und das mit so manchem Augenzwinkern.


Ich habe noch nie für einen privaten TV-Sender gearbeitet, weil…
- die Angebote zu schlecht dotiert waren… und…, ach ja, und weil journalistischer Tiefgang nur bei den Öffentlich-Rechtlichen wirklich möglich ist. Das ist natürlich der Hauptgrund. Echt jetzt.

Das Erfolgsgeheimnis der jungen deutschen TV-Szene ist,…
- ach? Die junge deutsche TV-Szene hat Erfolg? Dafür laufen aber vergleichsweise noch viele Raabs und Jauchs und Kerners durch die Gegend. Die drei erfolgreichen Jungs (nicht Mädchen!) sind es vor allem, weil sie einen Schutzraum gefunden haben, in dem sie machen können, wovon sie überzeugt sind.
 
Wer sagt, das lineare Fernsehen sei tot,…
- der lebt in der Zukunft oder ist jünger als 35. Im Schnitt schaut jeder Deutsche mehr als 4 Stunden lineares Fernsehen. Jeden Tag.
 
Der Second Screen wird das Fernsehen…
- bei besonderen (Live-)Events für einen kleinen Teil des TV-Publikums bereichern. Siehe WM (oder Maybrit Illner). Aber die meisten werden sich auch in Zukunft vor allem berieseln lassen wollen, während sie sich ihr Bierchen und die Schoko reinhauen. Zum Twittern hat man ja dann gar keine Hand mehr frei.
 
Kultur und Medien sollten im Fernsehen…
- eine vieeeel größere Rolle spielen. Gehören schließlich zu meinen Lieblingsthemen. Und auch wenn Kultur nie die Masse begeistern wird, so ist sie doch der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält.

Es sollte endlich mehr Geld ausgegeben werden für…
- Sportrechte. (Und Schokolade.)

Wenn ich mir die YouTuber wie Sami Slimani und Co. ansehe, frage ich mich,…
- warum nicht noch viel mehr Hetzkommentare im Netz zu finden sind. Auf der anderen Seite: Die Idee, jungen, wehrlosen Menschen vollkommenen Quatsch zu verkaufen, ist ja nicht neu. 

Wer „irgendwas mit Medien“ machen und davon leben möchte, sollte…
- eine ordentliche journalistische Ausbildung hinter sich bringen. Klingt spießig, aber wenn die Luft dünn wird, bleiben die übrig, die ihr Handwerk gelernt haben. Oder man wird YouTuber.
 
Nur, weil man mein Gesicht aus dem Fernsehen kennt, heißt das nicht,…
- dass man auch meinen Körper kennt.


 

Bild Credits: Peter Ruppert

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