CROSSMEDIA
21
April2015

„Unsere Spiele sind interaktive Literatur“ : Daedalic Entertainment setzt Ken Folletts „Die Säulen der Erde“ als Adventure Game um

Ab heute startet die Games Week Berlin. Sechs Tage lang treffen sich Branchenbesucher und Spielebegeisterte zum Opening Summit, zur Quo Vadis, zum Deutschen Computerspielpreis und weiteren Branchen-Events. Doch obwohl die deutsche Computerspiele-Industrie gegenwärtig zur Hauptstadt schaut oder fährt, tut sich auch bei uns in Hamburg so einiges an der Spiele-Front. Mit der DevGAMM begrüßt die gamecity:Hamburg Osteuropas größte Games Konferenz im September. Schauen wir noch weiter in die Zukunft, sind wir gespannt auf die Zusammenarbeit zwischen Daedalic Entertainment und dem Bastei Lübbe Verlag: Hier entsteht gegenwärtig ein vielversprechendes crossmediales Projekt, denn Daedalic ist mit der Umsetzung von Ken Folletts Bestseller-Romans „Die Säulen der Erde“ als Game beauftragt worden. Im Interview mit nextMedia.Hamburg spricht CEO Carsten Fichtelmann über das Projekt, das 2017 zusammen mit einem weiteren Fortsetzungsroman von Ken Follett erscheinen soll.

Wie ist es zur Zusammenarbeit zwischen Daedalic Entertainment und Bastei Lübbe gekommen?
Beide Verlage haben nach ersten Gesprächen entdeckt, dass das Tagegeschäft sehr ähnlich ist. Wir machen narrative Spiele, Bastei Lübbe macht nahezu ausschließlich Narration. Unsere Spiele sind interaktive Literatur und ergänzen das Bastei Lübbe Portfolio an dieser Stelle optimal. Die Lebenszyklen der Produkte und die Zusammenarbeit mit Autoren sind so übereinstimmend, dass das Tagesgeschäft von Daedalic viel näher an dem von Bastei Lübbe ist, als etwas im Vergleich zu anderen Spieleverlagen. Aus dem Grund hat Bastei Lübbe uns dann ein Angebot gemacht, sich an unserem Unternehmen zu beteiligen. Wir haben darin viele Vorteile für unsere weitere Entwicklung gesehen und es schließlich gemacht.

Welche gemeinsamen Ziele verfolgen Daedalic Entertainment und Bastei-Lübbe mit diesem Projekt?
Wir wollen weltweit Geschichten erzählen, in verschiedenen Medien. Wir sind in erster Linie für die Umsetzung von Computerspielen in der Gruppe verantwortlich. In Zukunft geht es aber auch darum, bereits beim Start zu berücksichtigen, dass die Verlagsgruppe nicht nur Bücher und Games verlegt, sondern auch im Film-/TV-/Hörspiel-Bereich tätig ist. Es geht vor allem auch darum, digital und in Regionen zu wachsen, in denen beide Verlage zurückblickend noch viel Entwicklungspotential sehen.

Daedalic Entertainment ist als Studio bekannt geworden, das u.a. viel Wert auf Storytelling in seinen Games legt: Auf welche Weise sind Ken Follet selbst und Bastei Lübbe in der Zusammenarbeit involviert? Wie kann man sich die Zusammenarbeit der Autoren vorstellen?
Wir arbeiten direkt mit Ken Follett an der Umsetzung des „Die Säulen der Erde“-Spiels. Bei Bastei Lübbe laufen dann alle Themen rund um die Vermarktung des neuen Ken Follett Buches zusammen. Klar halten wir unseren Partner immer auf dem neuesten Stand der Entwicklung, denn auch für Bastei Lübbe ist die Umsetzung eines der erfolgreichsten Bücher des Verlages ein sehr spannendes und wichtiges Projekt. Wir besprechen vor allem den Stil, die Atmosphäre und den historischen Hintergrund mit Ken Follett. Unsere Autoren haben sehr viele Bücher zur Recherche genutzt, teils die gleichen Bücher, im Übrigen auf Anraten von Ken Follett, die er selbst zur Recherche vor 25 Jahren genutzt hat, als er „Die Säulen der Erde“ geschrieben hat. Bei uns setzen mit Matthias Kempke (The Night of the Rabbit) und Kevin Mentz (A New Beginning, Memoria, The Devils Men) zwei unserer besten Autoren das Spiel zu Ken Folletts Buchvorlage um.

Welche Zielgruppe/n sollen mit der Umsetzung als Game erschlossen werden?
Zunächst unsere normale Zielgruppe der mid- und hardcore Gamer, die unsere Spiele weltweit kaufen. Vor allem natürlich die vielen Millionen Fans des Buches und von Ken Follett allgemein. Bei einer jüngsten Umfrage zu den Lieblingsbüchern der Deutschen beispielsweise ist „Die Säulen der Erde“ neben der Bibel und „Der Herr der Ringe“ als eines der drei beliebtesten Bücher der Deutschen erwählt worden.

Welche weiteren crossmedia Projekte sind bei Daedalic in Planung und in welchem Verhältnis stehen crossmediale Aufwände (Redaktion, Projektmanagement etc.) und Erlöse?
Über bereits in Entwicklung aber noch nicht öffentliche Projekte kann ich derzeit leider nichts sagen. Die Anforderungen, Projekte crossmedial umzusetzen und vor allem auch zu verstehen, sind auf Seiten des Producings und Projektmanagements nicht ganz einfach. Normalerweise rechnet sich dieser zusätzliche Aufwand nur für globale Themen und nicht für lokale Projekte. Ein Lizenzthema muss sofort überall, vor allem im gesamten Europa und in Nordamerika funktionieren.

Welche Aspekte können bzw. sollten sich einzelne Medienbranchen für die Monetarisierung ihrer Produkte gegenseitig anhand dieses Cases „abschauen“?
Ich nenne mal zwei offensichtliche Beispiele: Zum einen gibt es neben Bastei Lübbe noch rund zehn andere Verlage, die weltweit Ken Follett Bücher vermarkten. Wir können auch mit dem Spiel dadurch vor allem in vielen Ländern sehr gezielt die Leserschaft aktiveren. Stellen wir uns im zweiten Schritt eine Zusammenarbeit mit Amazon vor. Amazon kommt aus der physischen Buchvermarktung und ist mit Hardware nun über digitale Bücher enorm gewachsen. Wenn man bei denen mit einer vermeintlich gigantischen Lizenz aufläuft, wie etwa Avengers, dann lächeln sie müde und werden sicher Gesprächsbereitschaft zeigen. Kommt man aber mit einem Ken Follett-Spiel, dann sprechen wir über eine IP, mit der Amazon physisch und digital und das global sehr viel Umsatz gemacht hat. Viele, viele Leute sind mal Amazon-Kunden geworden und sind es noch, weil sie sich ein Ken Follett Buch gekauft haben. Das hat für Amazon eine hohe emotionale Bedeutung. Das gleiche gilt natürlich auch für Apple. Manche Dinge sind nicht immer ganz offensichtlich. Der Bigbudget-Hollywood-Markt etwa wird derzeit durch ein paar Comicverlage dominiert. Das war sicher gemessen an der puren Auflage der Hefte vor 15-20 Jahren nicht so vorhersehbar. Aber die Themen funktionieren auf dem großen Screen nun mal weltweit sehr gut.

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