CROSSMEDIA
08
Mai2015

„Was bin ich wert?” – Der Gehaltsvergleich mit Skjlls

„Was bin ich wert?” Diese Frage ist im Berufsleben nicht immer so leicht zu beantworten. Doch gerade vor dem Hintergrund veränderter Arbeitsmarktbedingungen und einem zunehmenden Kampf um die besten Talente, müssen Medienschaffende ihren eigenen Wert kennen. Aber woher weiß ein Redakteur, Art Director oder PR-Berater, welches Gehalt er verlangen kann? Genau hier setzt Skjlls an: Mit einem Gehaltsvergleich auf Basis der Fähigkeiten will Gunnar Stenzel mit seinen vier Gesellschaftern den Medienschaffenden helfen. Im September 2014 haben sie Skjlls als Firma gegründet, aktuell läuft die Private-Beta-Phase. Im Interview mit nextMedia.Hamburg gewährt Gunnar einen Blick hinter die Kulissen und erklärt, woher die Daten für den Gehaltsvergleich kommen und wie sie ihr Startup finanzieren.


Gunnar, wie seid ihr auf die Idee gekommen, Skjlls zu entwickeln?
Letztlich hat unsere eigene Erfahrung zur Idee von Skjlls geführt. Jeder der in der Medienbranche arbeitet, kennt das Problem: Spätestens bei einem Jobwechsel stellen sich immer wieder dieselben Fragen: „Was bin ich wert? Wie viel kann ich verlangen? Was verdienen andere in meiner Position?”
Verlässliche Antworten dazu findet man im Internet aber kaum. Die meisten Gehaltsvergleiche basieren auf Jobtiteln. Und mit den verrückten Jobtiteln aus der Medienbranche erhält man entweder gar kein Ergebnis oder ein sehr ungenaues.

Welche Vorteile bietet Skjlls nun für die Nutzer, die ihr Gehalt vergleichen wollen?
Vollkommen neu ist die Verwendung individueller “Fähigkeiten” zur Ermittlung einer Vergleichsgruppe für den Gehaltsvergleich. Dadurch können wir weitaus genauere Vergleichs-Ergebnisse errechnen als althergebrachte Methoden. Die machen es sich oftmals sehr einfach, indem sie nur ein einziges Kriterium zur Bestimmung einer Vergleichsgruppe verwenden: die Berufsbezeichnung.  Für einen „Art Director” aus einer Online-Agentur wäre es z. B. nicht sinnvoll, wenn er mit einem „Art Director” bei einem Print-Magazin verglichen würde. Beide haben zwar dieselbe Berufsbezeichnung, aber vollkommen unterschiedliche Fähigkeiten.
Deshalb machen wir Karrieren in der Medienbranche vergleichbar, indem wir die individuellen Fähigkeiten unserer User einbeziehen. Inhaltlich basiert der Gehaltsvergleich auf dem Skjlls-Graph, der Engine des Gehaltsvergleichs. Der Graph errechnet die Ähnlichkeiten zwischen Usern aus derzeit bis zu 3.000 Datenpunkten und 7 Meta-Kriterien – pro User. Natürlich muss man als User aber nicht so viele Daten angeben. Ein paar Hände voll Fähigkeiten reichen aus.
Noch ein Vorteil von Skjlls ist sicherlich, das der Service vollkommen kostenlos ist. Es gibt keine Premium-Funktionen, keine Werbung, keine Abos oder versteckten Kosten.

Woher stammen die Daten, mit denen man sein Gehalt vergleichen kann?
Alle Daten von Skjlls sind „crowdsourced”. Damit der Skjlls-Graph einen Vergleich mit anderen herstellen kann, müssen User ihre eigenen Daten angeben – sonst hätte der Skjlls-Graph keine Informationen, aus denen er einen Vergleich errechnen kann. Skjlls basiert somit auf dem „Give and take”-Prinzip: Jeder, der Daten von sich angibt, um ein Ergebnis zu erhalten, trägt anonym zur Datenbasis des Gehaltsvergleichs bei. Die User sind dabei jedoch nicht gezwungen, ein vollständiges Profil anzulegen. Sie können frei entscheiden, welche Aspekte sie interessieren und dann gezielt die für den Vergleich notwendigen Daten eingeben, um sich das Ergebnis darstellen zu lassen.

Warum richtet sich Skjlls besonders an Medienschaffende?
Jeder von uns arbeitet selbst seit über 15 Jahren in der Medienbranche. Die Gegebenheiten, Bedürfnisse und Umstände der Branche sind uns daher bestens bekannt. Dazu kommt, dass sich die Medienbranche sehr schnell verändert und dadurch in den letzten Jahren eine Flut an neuen Berufsbezeichnungen entstanden ist. Generell haben wir die Architektur von Skjlls aber so aufgebaut, dass wir das Angebot jederzeit auf weitere Branchen, Länder und Sprachen ausdehnen können. Dies ist technisch vorgesehen und steht auch schon auf unserer Agenda.

Ihr seid also in der Medienbranche schon erfahren. Aber wer genau seid ihr, also die Köpfe hinter Skjlls?
Man könnte uns die “Fünf Freunde” nennen: Gunnar, Ferdinand, Sven, Ninik und Ruben.
Wir sind fünf befreundete Partner, die sich alle seit über 10 Jahren kennen. Für ein paar Jahre haben wir alle in der gleichen Digital-Agentur an denselben Projekten gearbeitet. Seit mehreren Jahren sind wir ein schlagkräftiges Freelancer-Team, das in verschiedenen Konstellationen dutzende Projekte für Agenturen und Unternehmen umgesetzt hat.
Der Umstand, dass wir uns schon so lange kennen und recht eng miteinander befreundet sind, war sicherlich auch einer der wichtigsten Faktoren für die Entscheidung, Skjlls in dieser Konstellation zu gründen: Alle konnten sich relativ sicher sein, dass sie keine bösen Überraschungen erleben würden.

Fühlt ihr euch denn selbst angemessen bezahlt?
Im Moment wird keiner von uns bezahlt. Wir verstehen unsere Situation eher als „Sabbatical”. Deshalb ist auch niemand von uns mit seinem Gehalt unzufrieden. Außerhalb unseres Gründer-Daseins als Freelancer sind wir alle recht zufrieden mit unserem Einkommen. Als Freelancer mit mehr als einem Jahrzehnt professioneller Erfahrung und namhaften Agenturen und Auftraggebern im Lebenslauf, gibt es in der Hamburger Digital-Branche ausreichend Jobangebote. Somit können wir uns absolut nicht beschweren.

Welches Finanzierungsmodell steht hinter Skjlls?
Skjlls ist eigenfinanziert. Wir Fünf sind alle Freelancer und mussten uns daher nicht erst von einem Arbeitgeber „loseisen”, um den notwendigen Raum für die Entwicklung von Skjlls zu schaffen. Da wir uns fachlich perfekt ergänzen, können wir nahezu alle anfallenden Aufgaben selbst durch einen ausgewiesenen Spezialisten abdecken. Fremdleistungen müssen wir deshalb nur in geringem Maße in Anspruch nehmen. Da wir uns für die Zeit der Entwicklung von Skjlls selbst kein Gehalt zahlen, sind die Kosten somit überschaubar.

Wer unterstützt euch auf eurem Gründerweg?
Neben uns Fünf gibt es noch ein paar weitere Köpfe: Zum Beispiel einen ehemaligen CTO einer der größten deutschen Digital-Agenturen. Er unterstützt uns beratend im Bereich der technischen Infrastruktur, Skalierung und Datensicherheit. Bei der Entwicklung des Vergleichsalgorithmus haben wir uns die Unterstützung eines erfahrenen Mathematikers gesichert. Und beim Thema “Datenschutz” werden wir durch die bekannte Hamburger Datenschutzkanzlei "Herting/Oberbeck” beraten. Bei wenigen, hochspezialisierten Aufgaben lassen wir uns zusätzlich von ein paar ausgewählten Freelancern unterstützen.

Was macht ihr, um nach dem Stress im Gründeralltag abschalten zu können?
Jeder von uns hat ganz unterschiedliche Strategien. Sven macht regelmäßig Sport, spielt in einer Band und bastelt an Drohnen herum. Ruben fotografiert und macht Filme. Ninik und Ferdinand haben eine kleine Tochter und sind deshalb oft mit ihr im Hamburger Umland unterwegs. Ich selbst verlasse spätestens jedes Wochenende die Stadt und laufe die Küsten der Nord- und Ostsee ab.



Tl;dr (too long; didn’t read):
Gunnar Stenzel hat mit vier Gesellschaftern Skjlls gegründet, einen Gehaltsvergleich für die Medienbranche, der auf den vorhandenen Fähigkeiten basiert. Die Daten für den Vergleich stammen von den Usern selbst nach dem „Give and take”-Prinzip. Aktuell läuft die Private-Beta-Phase. Das Projekt ist eigenfinanziert.

 

Foto: Skjlls

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