CROSSMEDIA
26
März2015

17 DigHeads: „Wir wollen zeigen, dass die Branche keinesfalls schläft oder untergeht.“

nextMedia.Hamburg: Zuallererst herzlichen Glückwunsch zum Launch, den man live bei der diesjährigen SMWHH miterleben konnte! Erzählt uns doch in ein paar Sätzen etwas zu euch und dem Projekt DigHeads.

Dhala Yali Rosado: Vielen Dank. Wir sind 17 junge Journalisten, die keine Angst vor der Medienkrise haben, sondern überzeugt sind, dass der Job in Zukunft nur noch aufregender, spannender und wilder sein wird. Für DigHeads haben wir die heißesten Trends im digitalen Journalismus identifiziert und dann geschaut, was die deutschsprachige Szene in diesen Bereichen an innovativen Projekten zu bieten hat. Die Köpfe hinter diesen Projekten, unsere 17 DigHeads, haben wir getroffen, sie mit Fragen gelöchert, uns ihre Ideen und Visionen erklären lassen und sie gefilmt. Die Rechercheergebnisse präsentieren wir in tiefgehenden, persönlichen Porträts auf unserer Seite digheads.de

Mit DigHeads wollt Ihr einen neuen Journalismus erschaffen. Warum wollt ihr die Branche umkrempeln und was genau steckt dahinter?

Dhala Yali Rosado: Wir wollen keinen neuen Journalismus erschaffen und auch nichts umkrempeln. Es wäre doch sehr vermessen, das von uns zu behaupten. Wir wollen zeigen, dass die Branche keinesfalls schläft oder untergeht. Im Gegenteil: Was momentan im Journalismus alles möglich wird, hat unserer Meinung nach großes Potential. Wir stehen gerade am Anfang einer ganz neuen Ära des Journalismus – mit Risiken, Gefahren, aber vor allem mit unerschöpflichen Möglichkeiten. Niemals zuvor war es so einfach, zu gründen, Ideen und Visionen umzusetzen. Uns geht es darum, innovative Projekte und Startups zu beobachten, Trends zu identifizieren und im Auge zu behalten, was in unserer Branche gerade alles so geht. Davon können Journalisten, Medienschaffende oder Verlage profitieren und auch wir können viel für die Umsetzung eigener Ideen lernen.

Wir haben uns auf eurer Webseite ein wenig umgeschaut und unter der Rubrik "WTF" viele spannende Trends entdeckt. Was aber ist mit dem Thema Monetarisierung redaktioneller Inhalte? Kein Trend für Euch?

Auf jeden Fall spielt die Monetarisierung redaktioneller Inhalte auch für uns eine große Rolle. Guter Journalismus muss irgendwie finanziert werden. Was wir mit DigHeads zeigen wollen, ist, dass es nicht immer nur Paid Content, Paywalls oder nervige Banner-Werbungen sein müssen. E-Commerce wie bei Edition F oder der Verkauf journalistischer Produkte an etablierte Medienunternehmen, wie es zum Beispiel Dbate macht, sind neue Wege, guten redaktionellen Content zu finanzieren und zu refinanzieren.

Stichwort Zukunft: Wie geht es weiter mit den DigHeads? Welche Projekte sehen wir bald von Euch?

Dazu wollen wir an dieser Stelle noch nicht so viel verraten – es sei nur gesagt: DigHeads ist kein One Shot, sondern eine Marke, von der Ihr noch viel erwarten könnt. Wir werden uns auf jeden Fall weiterhin mit Gründungen, Trends und dem geilsten Scheiß im Journalismus beschäftigen.

Aus Eurer Sicht: Welche Top 3 Journalismus-Trends sollte jeder auf dem Schirm haben?

Der wichtigste Trend für uns ist: Follow the User. Unsere User gehen nicht mehr zum Kiosk, um sich eine Zeitung zu kaufen. Wenn sie unsere Geschichten rezipieren, dann tun sie das da, wo sie eh schon sind: auf dem Smartphone und in sozialen Netzwerken. Journalistischer Content muss also vor allem Mobile optimiert sein und über die passenden Netzwerke verbreitet werden. Womit wir auch gleich schon beim nächsten Trend sind: der Journalist als Marke. Wir brauchen heute keine gesichtslosen Verlagsstories mehr, sondern Journalisten, die sich selbst als Unternehmen etablieren und das nicht nur auf YouTube. Im Hinblick auf die Finanzierung liegt uns vor allem der Trend Gemeinnützigkeit am Herzen. Verlage sparen überall ein, wo es möglich oder unmöglich ist. Inzwischen müssen ganze Landstriche ohne eigene Lokalzeitung auskommen. Wir brauchen unabhängigen guten Journalismus. Spenden- oder stiftungsfinanzierte Recherchebüros wie ProPublica oder Correctiv sind Beispiele dafür, dass dieser Trend funktioniert.

 


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