CROSSMEDIA
07
Febr.2013

Artistic Director: „Kreativität in den Alltag bringen“ (Benjamin Rabe)

Next Media: Inwieweit haben neue Medienformate dein Wirken als Künstler bereichert?

Benjamin Rabe: Apps und Mobile haben mich nicht nur bereichert, sondern als Maler überhaupt erst wiedererschaffen. In meiner Jugend habe ich noch regelmäßig gemalt, mit den ersten Jobs sank der Output auf null. Das iPhone ermöglicht es mir, in den Leerbereichen des Tages – im Bus, Warteraum oder Meetings – kreativ zu sein.

Next Media: Wie bist du zum Fingerpainting gekommen?

Benjamin Rabe: Der Silent Hero der Szene ist Disney Art Director Stef Kardos, der 2009 in seinem Blog die ersten Brushesbilder veröffentlichte. Ich fand es spannend, die neuen Möglichkeiten des iPhones zu nutzen und mich mehr mit Farben auseinanderzusetzen. Schnell hat sich eine Flickr-Gruppe von zehn bis 15 Leuten entwickelt, die auch heute noch aktiv ist. Der Abstand von Kreation und Reaktion hat sich dadurch extrem verkürzt.

Next Media: Welche Projekte hast du neben deiner Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe noch umgesetzt?

Benjamin Rabe: Zu den größten zählt sicherlich die Mobile Art Conference, die bereits zweimal in New York stattgefunden hat. Bei einem privaten Besuch ergab sich aus einer Twitter-Anfrage in der Flickr-Gruppe ein spontanes Treffen im Guggenheim Museum. Neben dem Austausch stand natürlich auch das Malen im Vordergrund und wir haben schnell unsere Geräte untereinander getauscht. Es hat dann glücklicherweise nur ein knappes Jahr gedauert, bis wir diese Momente bei der ersten Konferenz in der Tisch School of Arts wiederaufleben lassen konnten.

Next Media: Wie läuft eine Kollaboration bei dir ab?

Benjamin Rabe: In der Flickr-Gruppe war die Arbeit noch ein wenig statischer. Immer wenn ein neues Bild online war, haben sich Einzelpersonen oder Gruppen zusammengefunden, die eine Art Remix oder malerischen Kommentar erstellten. Mit Apps wie SketchShare oder Tagtool kann jederzeit an jedem Ort und vor allem gleichzeitig an den Werken gearbeitet werden.

Next Media: Was steht bei der Zusammenarbeit für dich im Vordergrund?

Benjamin Rabe: Mich persönlich fasziniert die Kommunikation bei einer Kollaboration, weniger das tatsächliche Ergebnis. Man fängt plötzlich an, mit Menschen visuell zu kommunizieren. Ich kann mir das sehr spannend für Schulen vorstellen.

Next Media: Kannst du dir vorstellen, dass Fingerpainting in Zukunft kommerzieller zu gestalten?

Benjamin Rabe: Nein. Ich wünsche mir viel mehr, dass Mobile Art eine größere Rolle in Zeitungen und Blogs spielt. Mit meinem Projekt The Nimble Magazine versuche ich deshalb, Texte und Illustrationen zu verschmelzen. Wir müssen auch die Qualität unserer digitalen Erzeugnisse stärker von analoger Anmutung, wie z.B. Ölmalereien und Aquarellen abgrenzen.

Next Media: Vielen Dank für das inspirierende Gespräch.

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