CROSSMEDIA
30
März2015

Blogs vermarkten – ein Profi erzählt

2007 fing für Rudolf Klöckner alles an: Er wollte eine Kommunikationsplattform für Street Culture schaffen, um zu zeigen, das sich auf den Straßen und Hinterhöfen der Städte eine Menge mehr abspielt, als man vielleicht auf den ersten Blick sieht und über das man in den klassischen Medien liest. Aus diesen ersten Schritten in der Blogger-Welt ist mittlerweile eine Vollzeitbeschäftigung geworden. Er betreibt „Urban Attitude – Agentur für urbane Kommunikation“ und vermarktet damit nicht nur Blogs, sondern unterstützt etwa auch Künstler bei ihrer Arbeit und vermittelt Kontakte.
Im Interview mit nextMedia.Hamburg spricht er über Erlösmodelle auf Blogs, die Bedeutung von Social Media und die Zukunft von Blogs.

Herr Klöckner, Sie vermarkten unter anderem die Blogs Kitchenmate und Geschnackvoll. Welche Erlösmodelle nutzen Sie auf den jeweiligen Blogs?
Wir haben in der Vergangenheit mit verschiedenen alternativen Content-Bezahlsystemen herumexperimentiert. Am Ende hat uns allerdings nichts überzeugt, bzw. es konnten keine konstanten Einnahmen generiert werden. Ich denke die Welt ist derzeit noch nicht bereit für das regelmäßige freiwillige Bezahlen von digitalen Inhalten durch Dienste wie z. B Flattr. Diese Erfahrung haben auch andere Blogs und größere Online-Redaktionen gemacht. Solange das nicht klappt, gehen wir den Weg der Werbung, um die redaktionelle Arbeit zu finanzieren. Am meisten greifen wir dabei tatsächlich auf klassische Bannerwerbung zurück, die auf Basis eines festgelegten Preises für jeweils tausend Einblendungen (tkp) bezahlt wird. Hinzu kommen ausgewählte, sogenannte Sponsored Posts, das heißt offensichtlich als Werbung gekennzeichnete redaktionelle Beiträge. Hierfür haben wir uns einen gewissen Kodex überlegt, nachdem wir entscheiden, wie und welche Werbekooperationen wir eingehen und diese Umsetzen. Prinzipiell würde ich sagen gilt: je passender die Werbung zu den Inhalten des Blogs ist, desto besser funktioniert die Beziehung zwischen Werbendem und Publisher. Zudem hat sich in den vergangenen Jahren auch einiges in der Auswahl der Werbemittel getan. Heute findet man zum Glück weniger nervige Pop-Up Banner und Overlays, die das Lesen von Inhalten massiv erschweren.

Wie reagieren die Leser auf Werbemaßnahmen und weitere Erlösmodelle auf den Blogs?
Nicht alle Leser finden es gut, dass Werbung auf dem Blog geschaltet ist. Aber seien wir mal ehrlich: anders funktionier es momentan (noch) nicht. Für uns zählt vor allem die Qualität der redaktionellen Inhalte, die wiederum durch die Werbung finanziert wird. Solange es eine klare, erkenntliche Abgrenzung zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung gibt, kann diese Kombination denke ich ganz gut funktionieren. Wenn diese Grenzen zu sehr verschwimmen, tut man keiner Seite einen Gefallen. Am Ende bleibt es zudem dem Leser überlassen, ob und wie er damit umgeht: Der eine nutzt einen Adblocker, um alles auszublenden, was ihn stört, ein anderer nimmt die Werbung hin, andere wiederum beschließen die Inhalte des Blog nicht weiter zu lesen.

Welche Rolle bei der Monetarisierung spielt die Kooperation mit ADVICE und wie kam sie zustande?
Wir arbeiten nun schon eine ganze Weile mit ADVICE zusammen. ADVICE liefert auf dem Blog vor allem Bannerwerbung aus. Dabei hat ADVICE vor allem einen Blick auf die Auswahl der Kampagnen und versucht sich dabei thematisch an den Inhalten des Blogs zu orientieren. Im Prinzip nimmt ADVICE also eine Rolle des Qualitätsmanagements und der Akquise ein. Damit machen sie allgemein einen guten Job, sind derzeit allerdings auch noch recht konkurrenzlos in Deutschland denke ich.

Wie werden die Leser auf deine Blogs aufmerksam? Wie wichtig sind Social Media Kanäle und Suchmaschinenoptimierung?
Viele Leser haben den Blog nach wie vor ganz klassisch über den RSS Feed abonniert. Dazu kommen Suchanfragen und die gängigen Sozialmedia Kanäle, dabei vor allem Facebook. Aktuell scheint sich vieles auf Facebook abzuspielen. Aber die Zeiten könnten sich in ein paar Jahren wieder ändern. Es bleibt spannend.

Wie ist Ihre Einschätzung: Haben Blogs in Deutschland eine Zukunft oder werden sie durch Video-Blogger unwichtiger?
Ich glaube, das Blogs noch lange eine Rolle spielen werden. Mich persönlich haben Videoblogs nie sonderlich stark interessiert. Sie bieten sich sicherlich gut an, um Nachrichten, Kommentare oder persönliche Statements zu veröffentlichen. Für das was ich mache, kam ein Videoblog nie in Frage.

Hamburg ist eine bekannte Medienstadt. Profitieren Ihre Blogs von dem Standort?
Die meisten Leuten stellen sich immer vor, einen Blog könne man von überall betreiben, Hauptsache es gibt WLAN an dem Ort. Letztendlich besteht die Arbeit dann doch aus einer ganzen Menge mehr und vor allem unterschiedlichen Tätigkeiten. Da bietet sich es an, in einer der größeren Städte des Landes wie Hamburg zu sein, in der man auf ein großes Netzwerk zurückgreifen kann.

 

Foto:  Miguel Ferraz

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