CROSSMEDIA
13
Okto.2014

Die Gamesbranche hat hervorragende Zukunftsaussichten (Jochen Dominicus)

nextMedia.Hamburg: Warum werden klassische Künste wie Video und Musik immer wichtiger bei der Entwicklung von Games?

Jochen Dominicus: Ich glaube, diese Künste waren schon immer wichtig in Videospielen, vor allem die Musik. Aber erst mit dem Laufe der Zeit und der immer schneller werdenden Hardware kann Musik und Video jetzt auch umfassender genutzt werden. Einige Spiele bauen ja teilweise sogar ausschließlich auf Video oder Musik. Aber im Grunde sind die Spieleentwickler jetzt in der Lage, diese beiden Künste stärker einzubringen und damit das Spielerlebnis noch intensiver erlebbar zu machen. Zudem gibt es natürlich immer mehr Spiele am Markt. Der Bedarf ist also groß, auch wenn nicht jeder Titel gleich ein Megablockbuster ist, bei dem auch ordentliches Budget für eigene Musiken und Videos verfügbar ist.

nextMedia.Hamburg: Die aktuelle Arbeitsmarktbefragung der gamecity:Hamburg zeigt, dass insgesamt 4.356 Arbeitnehmer in der Hamburger Games-Wirtschaft tätig sind. Ein neuer Rekordwert. Während andere Wirtschaftszweige zittern müssen, braucht die Games-Branche sich um ihre Zukunft keine Sorgen machen, oder?

Jochen Dominicus: Gespielt wurde und wird auch immer. Deshalb denke ich, dass die Games-Branche ein ordentliches Fundament hat, auf dem das Geschäftsmodell fußt. Allerdings wird es wie in jeder Branche Hochs und Tiefs geben. Es wird auch im Smartphone und Tablet Bereich die Zeit kommen, wenn sie nicht schon da ist, in der sich die Branche konsolidiert und Firmen geschlossen werden. Grundsätzlich halte ich die Games-Branche aber für eine der Top-Branche mit guter Zukunft. Wir stehen jetzt gerade erst am Anfang.

nextMedia.Hamburg: Games werden längst nicht mehr nur von Entwicklern und Designern gemacht. Aktuelle Stellenausschreibungen suchen nach Game-Analysten, Game-Balancer und Internet-Marketing-Spezialisten – Berufe, die es vor ein paar Jahren noch gar nicht gab. Wie kann sich der Nachwuchs auf einen Einstieg vorbereiten, wenn die Ausbildungsangebote fehlen?

Jochen Dominicus: Ich habe nie in einer Spielefirma, oder direkt an einem Spiel gearbeitet, sondern sehe die Branche ja in erster Linie aus journalistischer Sicht. Aus Gesprächen habe ich aber immer wieder herausgehört, dass Menschen gesucht werden, die nicht unbedingt Hardcore-Gamer sind. Es reicht vollkommen aus, das ein oder andere game mal gezockt zu haben und ein grundlegendes Interesse für Spiele zu haben. Auf einen Einstieg sollte man sich zuerst auch durch Gespräche mit Firmen vorbereiten. Die meisten bieten Infotage an, an denen man vorbeischauen kann. Hier einfach viele viele Fragen stellen und sich für die Branche interessieren.

nextMedia.Hamburg: Auch Journalisten versuchen mit News-Games in neue Bereiche vorzudringen. Ist das nur ein Hype oder ein Schritt zu einer neuen Erzählform?

Jochen Dominicus: In erster Linie sind es ja vor allem Experimente und Versuche, harte Fakten und News spielerisch erlebbar und auf diese Art konsumierbar zu machen. Ich finde das grundsätzlich sehr gut, denn wir brauchen in unserer Gesellschaft kluge Menschen. Wenn dies ein Weg ist, dass mehr Menschen Kontakt zu Nachrichteninhalten oder auch jorunalistischen Informationen bekommen finde ich das ebenfalls gut. Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt, glaube aber nicht, dass gerade die klammen Verlage sich jetzt auch noch antun, eine Menge Geld in Newsgames zu stecken.

nextMedia.Hamburg: Was muss Hamburg tun, um seinen Gamesfirmen zu helfen und noch internationaler zu werden?

Jochen Dominicus: Grundsätzlich finde ich die Arbeit in Hamburg und die Standortbedingungen aus meinr Sicht klasse. Es gibt hier ein tolles Netzwerk und die Branche tauscht sich untereinander aus. Es wäre allerdings wichtig, auch Firmen, die nicht im Bereich Free-to-play-Segment unterwegs sind, anzulocken und die Branche hier noch breiter aufzustellen.

nextMedia.Hamburg: Jochen, vielen Dank für das Gespräch.


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