CROSSMEDIA
23
Okto.2014

Die neuen Leuchttürme (The Spectator)

In den USA sind sie mehr und mehr auf dem Vormarsch, bei uns hingegen sind iBeacons noch nicht so populär. Aber das wird sich ändern. Diese Mini-Radiotransmitter – sie brauchen sehr wenig Energie – senden Signale an unsere Mobiles, sofern wir uns in der Nähe eines iBeacons aufhalten. Und mit dieser Technologie lässt sich unser Leben durchaus leichter gestalten oder informativer oder spannender oder sie hilft uns schlicht beim Einkauf.

Kurz zur Funktionsweise: dort wo das Device platziert wird, etwa an einer Wand, sendet es spezifische Signale via Bluetooth zu Mobiltelefonen, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Die Signale werden von Apps empfangen, die darauf reagieren. Es mögen Informationen sein, eine Erinnerung, ein Coupon oder auch eine Prämie. So könnte man sich vorstellen, dass etwa iBeacons an den Eingängen zu Fußballstadien („Nur der HSV!“, sorry ich bin Fan...) ein Wegweiser zum jeweiligen Sitzplatz sind und dabei noch ein virtueller Gutschein für ein Bierchen mitgeliefert wird.

Selbstverständlich können und werden iBeacons bereits benutzt, um uns durch Apps unsinnigen Spam mit irgendwelchen Promotions zu schicken oder unsere persönlichen Daten ein zu sacken. Nun, dagegen können wir uns schließlich wehren: Apps, die uns unliebsame Messages senden, löschen wir halt oder wir schalten vorübergehend Bluetooth aus, schwuppsdiwupps.

Zweifellos überwiegen die Vorteile, wenn iBeacons  – die meisten damit korrespondierenden Apps gibt es derzeit für das iOS-System von Apple, erst das nächste mobile Android-System (Andoid L) wird in der Lage sein, auf Beacon-Codes zu antworten – künftig bei uns ihren Einzug halten werden. Sie können uns einen Besuch im Museum vertiefen, uns im Lebensmittelladen ein Rezept am Gemüsestand vorschlagen, uns auf eine interaktive Städte-Tour mitnehmen, das Einchecken im Hotel fixer oder leichter machen und an der Tankstelle das Zahlen erledigen.

Eine App wie zum Beispiel Shopkick offeriert den Nutzern Sonderangebote oder Vergünstigungen, sobald der Konsument einen Laden betritt oder in einer Umkleidkabine etwas anprobiert. Freilich, Shoppen ist verhältnismäßig oberflächlich im Vergleich zu den iBeacons der Royal Botanic Gardens im britischen Kew in der Umgebung von London: hier gibt es eine App, die den Besucher durch die riesige Grünanlage führt und ihm Orientierung gibt. Zudem werden ihm unter anderem Bilder und Illustrationen des Royal Botanical Gardens aus dem 18. Jahrhundert gezeigt, ebenso Photographien und Kunstwerke.

Die Möglichkeiten der Beacons (englisch: Leuchtturm) werden mithin divers sein – sei es im Kultur-Sektor, im Service-Bereich oder wenn wir uns eine noch unbekannte Stadt erschließen wollen. Beacons können unsere Wege im übertragenen Sinne tatsächlich erleuchten. Und gerade für kleine lokale Geschäfte – der Plattenladen, der Obsthändler, die Marktfrau unseres Vertrauens – kann diese unaufwendige Technologie zu einem echten Plus umgemünzt werden. „Am Fuß des Leuchtturms ist es dunkel“, bemerkte Konfuzius – Beacons werden uns mehr und mehr helfen, dunkle Wissens- und andere Ecken zu illuminieren.

von Andreas Wrede, Editor InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School


 

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