CROSSMEDIA
20
April2015

Hund beißt Gast – wer zahlt?

Ich gestehe: die Headline habe ich von der New York Times abgekupfert, verkürzte sie lediglich ein wenig. Im Original lautete sie nämlich: „Dog Bites Airbnb Guest. Who Pays?“ Abgesehen davon, dass die Überschrift sich einfach wunderbar liest, sensibilisiert sie uns mithin für einige grundsätzliche Themen. Etwa: wie bin ich als Gast bzw. Gastgeber versichert, wenn ich mit Airbnb deale?

Das Unternehmen ging als Start-up 2008 auf den US- und dann auf den Welt-Markt; heute – so eigene Angaben – haben bereits über 30 Millionen Gäste Airbnb global genutzt und in 190 Ländern werden über eine Million Listings angeboten. Das Wall Street Journal berichtete im vergangenen Jahr sei Airbnb bei einer neuerlichen Finanzierungsrunde mit einem Markwert von zehn Milliarden Dollar beziffert worden - atemberaubende Zahlen.

Gleichwohl haben sich im Laufe der explosions-artigen Entwicklung, je nach Rechtslage in den jeweiligen Ländern, in denen Zimmer oder Wohnraum angeboten werden, Fragen aufgetan. In Deutschland, zum Beispiel, wird von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich mit Airbnb umgegangen. In Hamburg kann man einen Teil seiner Wohnung untervermieten, allerdings darf die Fläche nicht mehr als 50% des Gesamt-Wohnraums über-schreiten. In Berlin hingegen wurde Airbnb schlich-weg verboten und Behörden sind bemüht, in der Bundeshauptstadt dem Unternehmen das Leben verdammt schwer zu machen.

Es gilt also: wer vermieten will, sollte im örtlichen Wohnungsamt die spezifische Rechtslage recherchieren. Dazu zählt natürlich auch das Feld der Versicherung, sowohl des Gastes wie des Vermieters. Ein aktueller Airbnb-Fall in Argentinien hat dieses einmal mehr grell beleuchtet. Ein US-Amerikaner ist für ein Jahr mit seiner Frau von Alaska bis tief nach Südamerika gereist, dabei versuchten sie mit einem Tagesbudget von $ 100 auszukommen.

Mit rund 20 Airbnb-Plätzen waren sie sehr zufrieden – bis sie in Salta, das liegt im Nordwesten Argentiniens, Unterkunft fanden. Dort wähnten sie sich wohl bis der US-Bürger vom Rotteiler des Gastgebers sehr böse gebissen wurde. Airbnb erklärte sich nach Rückfrage von ihm zwecks Erstattung der Arztkosten und der zu verlängerten Aufenthaltskosten zunächst für nicht zuständig. Als ein Reporter der New York Times jedoch in dieser Sache nachfragte, forderte das Unternehmen besagte Rechnungen an. Um dann, so ein Sprecher, „die medizinischen und andere Kosten in vollem Umfang (dem Kunden) zurück zu erstatten.“

Wie steht es nun grundsätzlich um Versicherungen in Sachen Airbnb? Auf jeden Fall sollte der Vermieter eine eigene Haftpflicht und Hausrats-versicherung haben und es empfiehlt sich, wertvolle Gegenstände (Kunst, Schmuck, etc.) besonders zu sichern oder aus der Wohnung/dem Haus aus zu lagern. Deutschland ist nun eines der Länder, in dem die sogenannte „Gastgeber-Garantie“ gilt.

Sie bietet „eine Absicherung gegen Schäden im Wert von Euro 800.000 für anspruchsberechtigtes Eigentum“, heißt es auf der Website von Airbnb. Allerdings: es gibt eben auch „gewissen Einschränkungen und Ausschlüsse“. Siehe das berühmte Kleingedruckte und so. In den USA gibt es eine „Unfall-Absicherung“ für Gastgeber „bis zu einer Höhe von Euro 700.000 pro Zwischenfall“, heißt es weiter auf der Website. Und zwar „unabhängig, ob Du Mieter oder Eigentümer bist“.

Das ist prima, hat nun aber unserem Hundebiss-Opfer in Argentinien so gar nicht geholfen. Das tat die Nachfrage der New York Times (sage noch jemand, die schreibende Presse sei schon tot!). Bleibt jedenfalls zu hoffen, dass Airbnb an einer dauerhaften Lösung für derartige Unfälle arbeitet. Wie heißt es auf der Site? Der „Seelenfrieden für Airbnb-Gastgeber“ liegt dem Tourismus-Giganten am Herzen. Das sollte dann desgleichen für den Seelenfrieden der Mieter gelten. Auf Englisch heißt der übrigens Peace of Mind.

 

von Andreas Wrede, Editor-in-Chief  InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School

Bild: Airbnb Pressematerial

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