CROSSMEDIA
23
Sept.2014

It’s the big data, stupid! (The Spectator)

Der nächste Schritt: den Kunden individuell Streifen empfehlen – wir kennen das mit anderen Produkten, etwa von Amazon. Zehn Jahre nach seiner Gründung hatte Netflix bereits über eine Milliarde DVDs versandt, heute hat Netflix mehr als 50 Millionen Abonnenten, der Wert des Unternehmens liegt irgendwo bei geschätzten zwölf Milliarden Dollar. Dazu trug natürlich besonders bei, dass Netflix seit einigen Jahren Online-Streaming anbietet.

Wie so oft bei Neuerungen im Medienbereich (vergleichbar mit dem iTunes-Konzept mit dem das Musik-Business umgekrempelt wurde), wurde Online-Streaming von etablierten TV-Machern zunächst nicht ernst genommen. Ihnen fehlte die Phantasie sich vor zu stellen, dass besonders jüngere Zuschauer auf ihren Smartphones, Tablets oder Spielkonsolen tatsächlich Serien und Filme schauen würden. Und zwar millionenfach, täglich, rund um die Uhr.

Nach Kanada, Lateinamerika und der Karibik ging Netflix auf den europäischen Markt. Und zu den über 40 Ländern, in denen man nun vertreten ist, gehört jetzt Deutschland. Wobei unser Markt mit Watchever, Maxdome, Amazon oder Apple schon gut besetzt ist. Nun, das dürfte Netflix kaum schrecken. Die „Wirtschaftswoche“ berichtet, dass man u.a. mit Providern wie der Telekom und Vodafone kooperieren will.

„Die Zeit“ hat in einer klugen Analyse festgestellt, dass der Erfolg von Netflix vor allem auf seine Big Data-Politik zurück zu führen sei. „Die Programmierer des Unternehmens feilen ständig an den Algorithmen, die auf Minuten genau das Sehverhalten der Kunden auswerten – um ihnen passgenaue Vorschläge zu machen, was sie als Nächstes sehen sollen.“

Ebenso systematisch wird bei selbst produzierten Serien vorgegangen – so werden Zuschauer zum Beispiel befragt, welche Schauspieler sie in dieser oder jener Rolle sehen wollen. Besonders eine Serie hat Netflix bei uns bekannt gemacht: „House of Cards“ mit Kevin Spacey und Robin Wright als Polit-Power-Couple in Washington D.C. – und „House of Cards“ ist (etwa nach „Borgen“ oder „West Wing“) die derzeit brisanteste, böseste, bulligste Serie, in der Macht und ihre Ränkespiele unvergleichlich differenziert und höchst unterhaltsam zelebriert werden. Noch hält Sky die Rechte an „House of Cards“ in Deutschland. Aber das kann sich ja ändern.

Im Köcher hat Netflix schon weitere anspruchsvolle Seh-Stücke: so die Science Fiction-Serie „Sense8“ von den Wachowskis („Matrix“), eine neue Staffel von „The Killing“ oder – eher für Kinder – die letzte Staffel von „Star Wars – The Clone Wars“. In Deutschland ist das Netflix-Angebot zum Start eher klein und noch nutzen nur ein wenig über sieben Millionen Menschen in Deutschland Dienste wie Maxdome oder Watchever. Das bedeutet jedoch im Umkehrschluss: es schlummert in diesem Markt noch ein riesiges Konsumenten-Potential.

Zumal Netflix auf fast allen Plattformen und Endgeräten funktioniert, sofern sie ins Netz kommen. „Auch viele Smart-TVs lassen sich mit Netflix nachrüsten“ („Zeit Online“). Im öffentlich-rechtlichen Umfeld sieht man Netflix mit üblichem Argwohn, bald wird das gebührenfinanzierte Gegrummel sicher noch lauter werden. Warten wir’s ab. Ich fände es jedenfalls fabelhaft, wenn Netflix künftig eine Serie auf dem Niveau von „House of Cards“ in Deutschland, für den deutschen Markt und mit deutschen Schauspielern produzierte. Denn nach wie vor stimmt der Satz: Competion is good for business.

Text: Andreas Wrede

Foto: Netflix

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