CROSSMEDIA
27
Augu.2014

Keine Angst vor Buzzfeed, Vice und Co. (Jigar Metha)

nextMedia.Hamburg: Jigar, du hast sowohl Technik als auch Journalismus studiert. Inwiefern hat es dir dabei geholfen deine Karriere als VJ, Gründer und Investor aufzubauen?

Jigar Metha: Es hat mir insofern geholfen, ein tiefes technisches Verständnis zu entwickeln. Ich weiß, wie es ist, in Technik-Teams zu arbeiten, wie sich Teams bilden, wie Probleme gelöst werden – das war alles wirklich sehr hilfreich für mich.
 
nextMedia.Hamburg: Wenn ich Nachrichten aufnehme, werde ich mit vielen Geschichten konfrontiert, die keinen wirklichen Bezug zu meinem Alltag haben. Im Internet ist das anders; das, was ich dort lesen kann erreicht mich auf einer anderen Eben. Ist das der Beginn eines neuen Journalismus?
Jigar Metha: Es gibt eine Tendenz, Nachrichten zu konsumieren, mit denen ich eine Beziehung herstellen kann. Das ist allerdings nichts Neues, sondern gehörte immer schon zur Verbreitung und Popularisierung von Stories. Online hat einfach herausgefunden, wie Prozesse optimiert werden können – durch die Möglichkeit, Sachen zu teilen oder downzuloaden. Es ist somit kein neuer Weg, den der Journalismus beschreitet, sondern vielmehr eine Erinnerung daran, dass Stories mit Identifikationspotenzial oft der beste Einstieg sind.
 
nextMedia.Hamburg: In Deutschland stehen viele Menschen Diensten wie Buzzfeed, Vice oder heftig.co, die bestehende oder neue Stories verändern, vermischen oder neu erstellen, kritisch gegenüber. Was ist dein Rat an Journalisten?

Jigar Metha:  Diese Dienste kreieren und mixen Stories, trotzdem nutzen sie auch Originalinhalte. Ich glaube, deshalb muss man keine Angst haben, sondern versuchen, die Entwicklungen zu verstehen. Das Publikum ist der beste Weg um zu lernen, was gerade passiert und das Gelernte in die eigene Organisation einzubringen.
 
nextMedia.Hamburg: Während deines Projektes “18 Days in Egypt” hast du eine völlig neue Plattform geschaffen, damit du deine Geschichten erzählen kannst. Weshalb hast du keine bereits existierende benutzt? Hätte das Limits gesetzt?

Jigar Metha: Keine existierende Technologie passte zu dem, was wir machen wollten. Wir wollten uns einfach nicht durch Tools einschränken und deshalb kamen wir irgendwann an den Punkt, eine neue Plattform zu kreieren, um die Geschichten genauso erzählen zu können, wie wir es wollten. Wir wollten uns mit der Art der Berichterstattung einen Vorteil verschaffen. Andernfalls hätten wir es nicht getan.  
 
nextMedia.Hamburg: Welche Trends in den Bereichen Technik und Journalismus kannst du von deiner Arbeit bei Matter.vc erkennen? Glaubst du, dass die Deutschen ähnliche Ideen haben werden?

Jigar Metha:  Dynamische Teams sind ein guter Weg. Zum Beispiel kann ein Wissenschaftler in einem Content Team neue Wege zur Problemlösung aufzeigen und aus ihrer Unternehmersicht herauslösen.  Die Deutschen können das auch. Solange die Veränderungen achtsam beobachtet werden, die richtigen Leute zur Seite stehen und man eine gute Linie zur Problemlösung findet, ist man bereits auf dem richtigen Weg. Wichtig ist, ein gutes Team zu haben und Negativität zu vermeiden. Eine positive Team-Mentalität ist essentiell.

nextMedia.Hamburg: Jigar, vielen Dank für das Gespräch.

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