CROSSMEDIA
11
Mai2015

MONO Magazin: Aus der Szene, für die Szene

Spezialisierung ist ein großes Thema in der Digitalbranche: Denn könnte sich hinter einem begrenzten Konsumentenkreis nicht eine treue und gezielt ansprechbare Zielgruppe verbergen? Beim MONO Magazin aus Hamburg funktioniert genau das – durch die Fokussierung auf LGBT (kurz für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender). Bereits Ende 2013 haben die Gründer Nora und Berry mit der Planung und dem Konzept für das Magazin begonnen. Am 01. Mai 2014 ist die Seite online gegangen. Seit rund einem Jahr beliefert das MONO Magazin aber nicht nur Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender mit relevanten Szene-Themen, sondern erreicht auch lifestyle-interessierte heterosexuelle Leser. Im Interview mit nextMedia.Hamburg spricht Berry über die Chancen von Nischenthemen und Homophobie im Berufsleben.

Auf Partys bist du als DJ Berry E. schon bekannt, vor einem Jahr hast du noch das MONO Magazin gegründet. Wie kam es dazu?

Meine Partnerin Nora und ich haben zusammen Kommunikationsdesign studiert. Ich habe immer nebenbei als DJ in der Schwulen-Szene aufgelegt und hatte mir einen Namen als DJ und Veranstalter gemacht – in Hamburg habe ich mittlerweile zwei Partyreihen. Das wollten wir irgendwie gemeinsam nutzen und so fing ich erstmal mit einem kleinen Musikblog an, bis Nora die Idee hatte, das Ganze größer aufzuziehen und ein ganzes Magazin zu machen. Durch die beiden Jobs habe ich oft eine Sieben-Tage-Woche, aber ich bin immer da, wo unsere Zielgruppe ist und das macht unser Magazin so authentisch. Es ist aus der Szene, für die Szene.

Welches Geschäftsmodell steht hinter dem Magazin?

Das Geschäftsmodell ist eine Kombination aus einem klassischen Onlinemagazin mit Anzeigenkunden, die Werbebanner bei uns schalten, und Kooperationen durch bezahlte Beiträge, wie man es von Bloggern kennt. Uns war es wichtig, dass die Website kein Werbeflächen-Dschungel wird. Es gibt lediglich einen Werbebalken und mehr nicht. Viel wichtiger war es uns, dass wir über Dinge schreiben, die wir gut finden. So kommen viele Kunden auf uns zu und finanzieren unsere Artikel, weil wir etwa ein Fan von deren Produkt, Event oder Künstler sind.

Und wie läuft es damit – wirft das Magazin schon Gewinne ab?

Bis jetzt hatten wir das Glück, im ersten Jahr alle Kosten durch die Einnahmen decken zu können. Wenn mal etwas Gewinn erwirtschaftet wurde, haben wir das gleich in das Magazin gesteckt, indem wir die Website verbessert haben usw.. Es ist wichtig im ersten Jahr ein stabiles Fundament zu bauen. Wer im ersten Jahr Gewinn macht, macht etwas falsch.

Das MONO Magazin erscheint nur online. Warum habt ihr keine Printpublikation?

Als wir in der Planungsphase des Magazins waren, wurde uns schnell klar, dass Print immer mehr abnimmt. Selbst die großen Printmagazine müssen Kosten einsparen und verkaufen weniger Exemplare als noch vor zehn Jahren. Eine Printausgabe wäre ein zu großes finanzielles Risiko gewesen. Da wir ja auch keine Journalisten sind, wollten wir den Ball flach halten. Online konnten wir wachsen und täglich dazulernen, verbessern und uns ausprobieren. Wäre das Magazin in die Hose gegangen, hätten die Kosten uns nicht in den Ruin getrieben. 

Das MONO Magazin hat die Unterzeile „Queer Online Magazin“. Reduziert sich euer Leserkreis nicht immens durch die Fokussierung auf LGBT?

Das stimmt. Doch einerseits wird diese Zielgruppen eben nicht von hunderten „Queer Online Magazinen" bombardiert, weil es noch nicht so viele gibt. Andererseits lesen erstaunlich viele Heterosexuelle unser Magazin, denn unsere Rubriken wie Musik oder Style sind total unabhängig von der sexuellen Orientierung – oder ihnen gefällt einfach unsere Botschaft. Man muss also nicht zwingend homosexuell sein um das MONO Magazin zu lesen.

Gibt es mit queer.de, blu.fm und Co. nicht schon genügend Medien für diese Nische? Was grenzt euch von diesen Medien ab?

Die gibt es, aber diese Medien sind auch untereinander unterschiedlich. Wir als MONO Magazin sind praktisch eine Mischung aus Magazin und Blog. Ich lebe das, was wir machen und das was ich lebe, machen wir. Ich bin in der Szene und komme aus der Szene. Nora hingegen ist heterosexuell und bringt dadurch einen ganz anderen Flair rein und auch einen neuen Blick, der das gewisse Etwas ausmacht.

Am 17. Mai ist Internationaler Tag gegen Homo- und Transphobie – auch in Deutschland herrscht noch immer keine flächendeckende Toleranz oder Akzeptanz für LGBT. Wie sieht es in der Startup- und Medienbranche aus?

Manche Kooperationen sind wohl auch daran gescheitert, dass wir ein LGBT-Magazin sind und das den Partnern nicht gefallen hat. Auch Drohungen von homophoben Lesern haben wir schon bekommen. Doch in der Medienbranche ist die Überzahl sehr interessiert an unserer Zielgruppe und wir freuen uns über so viel Unterstützung.

Wo wollt ihr mit dem MONO Magazin im nächsten Jahr stehen?

Wir werden in Zukunft noch aktiver werden und mehr unterwegs sein und live berichten. Wir wollen unseren Lesern immer wieder etwas Neues bieten und spannend bleiben. Wir sind stets in einem Lern- und Verbesserungsprozess und entwickeln uns mit unseren Lesern weiter. Aber am wichtigsten ist es uns, dass wir eine Anlaufstelle für Leser sind, die informiert, unterhält und sowohl Spaß macht, als auch nachdenklich stimmt. Wir wollen weiterhin so ehrlich und echt bleiben, wie wir es sind.

Welche drei Tipps kannst du Gründern geben, die LGBT als Zielgruppe haben?

Man muss zu 100% hinter dem stehen, was man macht. Die Leser merken, wenn etwas nicht authentisch ist. Zudem braucht man viel Geduld. Sein Publikum muss man sich täglich hart erarbeiten. Doch am ehesten braucht man ein dickes Fell, denn besonders wenn es um LGBT-Themen geht, wird viel diskutiert und nicht jeder findet das gut was du machst. Man muss viel Kritik aus der eigenen Zielgruppe ertragen können und natürlich viele homophobe Anfeindungen von außen. Aber wie sagt man so schön: „Was dich nicht umbringt, macht dich stärker".

 

Tl;dr (too long; didn’t read):

Seit rund einem Jahr ist das MONO Magazin online und richtet sich vor allem an LGBT, erreicht aber auch lifestyle-interessierte heterosexuelle Leser. Finanziert wird das Magazin mit Werbebannern und Kooperationen in Form von bezahlten Beiträgen. Im nächsten Jahr wollen die Gründer Berry und Nora noch mehr live berichten.

 

Foto: Mono-Magazin

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