CROSSMEDIA
16
Febr.2015

Neu auf dem Radar: Pay or Share

Kaum ein Thema wurde und wird derzeit wohl so heiß diskutiert, wie die Frage nach der Monetarisierung von Inhalten im Internet. Online findet man Content jeglicher Art eigentlich immer „umsonst“: so die bisherige Einstellung der meisten Nutzer. Eine Haltung, die sich seit Jahren als klarer Nachteil für eigentlich alle Anbieter von digitalen Inhalten erweist. Wie es anders gehen kann, zeigt jetzt das Hamburger Startup PayOrShare. Die beiden Gründer Fiona Brandes und Max Fielker, deren Geschäftsidee durch bekannte Investoren wie Jan Honsel (Pinterest), Heiko Hubertz (u.a. Bigpoint) und Dr. Felix Menden (Wer Liefert Was) unterstützt wird, bieten Nutzern mit PayOrShare eine Bezahlalternative bei digitalen Inhalten. Egal ob Texte, Videos, Musik oder Games: User entscheiden, ob sie diese eher klassisch per Micropayment bezahlen oder mittels einer Social Currency, nämlich durch das Teilen in einem sozialen Netzwerk. Aktuell sind Posts bei Facebook, XING oder LinkedIn möglich. Alternativ kann sich der Nutzer für das Posten eines Empfehlungslinks in seinen sozialen Netzwerken auch für den Erhalt von Coupons entscheiden. Diese bieten dann zum Beispiel Rabatte in Onlineshops oder Freikilometer beim Carsharing-Anbieter. Content-Anbieter sprechen über PayOrShare neue Kunden an, erhöhen Reichweite und Traffic und erhalten wertvolle Einblicke für die zukünftige Kundenansprache. nextMedia.Hamburg sprach mit dem jungen Gründerteam.
 

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Gründung und zum Launch! Erzählt uns doch in drei Sätzen etwas zu Euch als Gründerteam. 
Wir sind über unsere Ideengeberin und Investorin Katharina Wolff zueinander gekommen. Ich habe vor etwa einem halben Jahr angefangen das Produkt zu bauen, das sich inzwischen schon am Markt bewährt. Fiona ist im Dezember vor allem für die Themen Marketing und Sales mit an Bord gekommen. Übergreifende Themen entscheiden wir dann meist zusammen. Sie mit einem Medien und BWL-Hintergrund und ich als Jurist und leidenschaftlicher Programmierer ergänzen uns da super. 

payorshare soll eine Alternative zu starren paywalls sein. Was steckt genau dahinter und wie funktioniert Euer Produkt - gerade im Hinblick auf die Monetarisierung von journalistischen Inhalten? 
Mit der PayOrShare-Lösung entscheiden User in Zukunft selbst, ob sie für digitale Inhalte wie Videos, Artikel oder Games mit einem Micropayment oder einer Empfehlung in ihrem sozialen Netzwerk zahlen möchten. Der Vorteil: Neben direkten Erlösen generieren wir für unsere Kunden virale Aufmerksamkeit, zusätzliche User und angereicherte Nutzerprofile mit Insights aus den sozialen Netzwerken. Über unsere Business Intelligence können wir so z.B. erkennen welche Nutzer einen besonders hohen Influencer Score haben und für Unternehmen besonders wertvoll sind. 

Aktuell beißt sich die Medienbranche die Zähne an Payment-Modellen aus. Wie schätzt Ihr die Relevanz an flexibel anwendbaren Payment-Modellen, gerade im Journalismus, ein? 
Die Tatsache, dass die Verlage so zu kämpfen haben, zeigt, wie wichtig es ist hier Alternativen zu schaffen. Es gilt die Nutzer vorsichtig an den Gedanken zu gewöhnen, dass journalistische Inhalte einen Wert haben, aber gleichzeitig keine massiven Reichweitenverluste hinnehmen zu müssen. Der Weg zu einem Share ist hier für viele aber leichter als tatsächlich zu zahlen und senkt die Absprungrate. Das ist aber ok, weil auch dies eine Form von Währung ist und einen echten Wert hat. Darüber werden sich auch die Nutzer zunehmend bewusst werden. Gerade von dem Hintergrund, dass Verlage, die im engen Wettbewerb zu Google und Co. stehen, einen Weg finden müssen Inhalte und Werbung nutzerindividuell aussteuern zu können. Dabei helfen Ihnen unsere Insights.

Glaubt Ihr, dass so auch die junge Zielgruppe animiert werden kann, für gute Inhalte zu zahlen?
Die junge Zielgruppe geht sicherlich leichtfertiger mit sozialen Netzwerken um und wird sich schneller dafür entscheiden zu teilen. Aber das ist im ersten Schritt schon ein großer Fortschritt. Hauptsache wir werden dafür sensibilisiert, dass qualitative Inhalte nicht für immer frei verfügbar sein können, wenn wir weiterhin ein diversifiziertes Medienangebot und gut recherchierte Inhalte konsumieren möchten.

Zu guter Letzt: Warum der Medienstandort Hamburg als Gründungsort?
Die Antwort steckt schon in der Frage. :) Hamburg ist ein Medienstandort und die deutsche Gaming-Hochburg. Das Thema Gaming spielt für uns eine besondere Rolle. Die Branche ist Vorreiter in Bereichen wie effizientes Marketing, Monetarisierung von digitalen Inhalten und der Erschließung neuer Vebreitungswege. Für uns bedeutet das, dass die Umsetzung wesentlich schneller und schlanker aussehen wird als bei Verlagen, die häufig leider noch mit sehr starren Strukturen zu kämpfen haben. 

 

Neuen Kommentar schreiben