CROSSMEDIA
04
Juni2012

Social TV und Second Screen: Bereicherung oder Ablenkung?

Schon jetzt sind die Deutschen zusammen mit den Briten Weltmeister im digitalen TV-Konsum. Knapp 30 Stunden schauen die Menschen auf andere Bildschirme als in die Röhre. Oftmals ist der Fernseher aber nicht mehr der einzige Monitor, der im Wohnzimmer oder anderswo um Aufmerksamkeit konkurriert. iPad und Co. sind mittlerweile zum „Second Screen“ geworden, der Fernbedienung und die Kommunikation mit den Freunden zur neuen Tatort-Folge managt.

Während 15,6 Millionen Deutschen noch offline sind, surfen schon 60 Prozent der Onliner parallel zur TV-Sendung. Immerhin 38 Prozent suchen dabei gezielt nach Informationen zum laufenden Fernseh-Programm. Einerseits wollen TV-Zuschauer im Jahre 2012 anders unterhalten werden als noch vor 20 Jahren, andererseits sorgt die Entwicklung von Schnittstellen und im mobilen Medienkonsum für viel Dynamik bei neuen Geschäftsmodellen und Start-ups.

Frank Barth vom Social-TV-Service Couchfunk glaubt, dass Second Screens helfen, den Medienbruch zu umgehen. Das Start-up aus Sachsen aggregiert Zuschauerkommentare und richtet sich an alle, die nicht gerne alleine fernsehen. „Der Fernseher ist nicht einfach mehr der Fernseher, sondern nur noch das größte Display im Raum“, umschreibt der Gründer seine Einstellung zum TV. Ganz kampflos wollen die Sender das Feld jedoch nicht räumen.

Schon 2011 forderte das ZDF seine Zuschauer auf, nach der Ausstrahlung von „Dina Foxx“ die Ermittlungen im Netz fortzuführen. ZDF-Twitterer Michael Umlandt sieht das Engagement aber selbstkritisch: „Bei der Fortsetzung „Letze Spur“ kam es für viele Zuschauer zu einer regelrechten Reizüberflutung“. Da passt ins Bild, dass es trotz 40.000 Fans bei Google+ nur sieben Anmeldungen für einen Hangout zum aktuellen Sportstudio gab.

Tatsächlich dürften Angebote wie Couchfunk oder Tweek in Zukunft die Nase vorn haben, denn der gemeinsame Genuss von TV-Sendungen erfolgt längst nicht mehr nur physisch, sondern nun eben auch online. Demgegenüber scheinen die Öffentlich-Rechtlichen bei ihren Aktivitäten öfters über das Ziel hinauszuschießen. „Nicht mehr Content, sondern das Nutzererlebnis ist King“, resümiert Barth. Web-affine Fernsehzuschauer dürfen sich also freuen. Die Verschränkung der verschiedenen Formate ist gerade erst gestartet und der Wettbewerb um die Zeit des Nutzers voll entbrannt.

Bildnachweis: flickr.com / User: sm3287, flickr.com/ User: bendodson

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