CROSSMEDIA
26
Febr.2015

The Spectator - Denn man tau: digital lernen

MOOCS (Massive Open Online Courses) sorgen seit einiger Zeit weltweit für Diskussionen, nicht nur in akademischen Kreisen. Und – wie könnte es anders sein – auch auf diesem Sektor wird von Disruption gesprochen. Eine Headline der New York Times  lautete: „Business School, Disrupted“. In den USA wabbert seit einigen Monaten eine Debatte durch die Bildungs-Welt: In welcher Form sollen welche Unis MOOCS anbieten, wie muss sich Online Education künftig präsentieren?

Da hätten wir wieder mal Disruptions-Guru Clayton Christensen, der sagt: „Do it cheap and simple. Get it out there.“ Wie üblich wittert  Mr. Christensen allüberall Disruption – während etwa ein anderer professoraler Kollege von ihm, Michael Porter („the father of modern business strategy“ nennt ihn die NYT), der an der Harvard Business School lehrt, ein gänzlich konträre Auffassung vertritt. Er ist zwar für die Einrichtung von Open Online Courses, aber eben nicht in einer (billigen) Art und Weise, die Ansehen und Ruf von Harvard schaden könnte.

„Ein Unternehmen sollte seiner Linie treu bleiben“, meint Prof. Porter, „gerade auch in Zeiten des Umbruchs, gleich-zeitig soll es sich permanent weiterentwickeln und seine unverwechselbare Position ausbauen.“ Und deswegen kosten drei Open Online Courses in dem Credential of Readiness-Programm (CORe), die neun Wochen dauern, pro Teilnehmer $1500,-. Die Harvard Business School ist eben die Harvard Business School. Deren M.B.A. und Executive Education Programs setzten jährlich über $250 Millionen Dollar um. Not bad.

Demgegenüber vertritt der alte und jüngst bestätigte Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz eine andere Auffassung: gerade die staatlich-föderale Organisation ist in Deutschland eine große Stärke, um nun eine Hamburg Open Online University auf den Weg zu bringen.  Denn man sei eben nicht auf private Gelder angewiesen. Gemeinsam ziehen Wissenschaftsbehörde, alle sechs staatlichen Hochschulen und die Senatskanzlei in dieser Sache an einem Strang und geben Gas. Einer der Hauptideengeber ist Prof. Sönke Knutzen, der Vize-Präsident Lehre der Technischen Universität Hamburg-Harburg.

„Unser Ziel ist es“, sagt Prof. Knutzen dem Spectator, „das umfassende Wissen der Universitäten unserer Öffentlichkeit ohne Barrieren zugänglich zu machen und für diverse Lernprozesse zur Verfügung zu stellen.“ Der Hochschullehrer weiß um die Attraktivität dieses „modernen Lern- und Lehrformates“, gleichwohl liegen ihm zwei Punkte besonders am Herzen. „Wir möchten interdisziplinäres, projektbasiertes  Lernen in Teams fördern. Und wir wollen es den Teilnehmern ermöglichen, Netzwerke aufzubauen oder wenn schon vorhanden, sie zu erweitern.“

Gegenwärtig befindet sich dieses ambitionierte Projekt im Aufbau, 2015 werden immerhin 3,7 Millionen Euro in dessen Aufbau gesteckt. Im ersten Halbjahr soll ein Prototyp der Hamburg Open Online University mit konkreten Forschungsthemen an den wissenschaftlichen Start gehen. Zweifellos ist auch dieses Projekt Teil einer digitalen Gesamtstrategie, die auch der alte/neue Senat weiterfahren wird. „Die Digitalisierung verändert alle Lebensbereiche – und zwar mit großer Geschwindigkeit“, befindet Bürgermeister Olaf Scholz. Denn man tau!

von Andreas Wrede, Editor-in-Chief  InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School 



Neuen Kommentar schreiben