CROSSMEDIA
04
Deze.2014

The Spectator - Gudberg: on- und offline

„Old school bedeutet, dass etwas so wie früher ist oder gemacht wird. Der Begriff ist in der Regel positiv konnotiert.“ Es geht doch nix über Wikipedia, besser hätte ich’s jetzt auch nicht formulieren können, nicht wahr. Und wer in Hamburg zu Gudberg Nerger in die Poolstraße geht, wird sich Old school-mäßig so was von wohl fühlen, dass sie oder er eine ganze, ganze Weile Zeit hier verbringen möchte und garantiert sehr, sehr gern (immer und immer) wiederkommt.

Richtig: Zeit verbringen, denn vornehmlich ist Gudberg der coolste Hamburger Shop für nationale und internationale Independent Magazines. „Wir haben ständig rund 350 Mags parat“, sagt Jan Müller-Wiefel, 34, der Gründer. Bereits im Jahr 2000, damals war er noch Student an der Hochschule für Bildende Künste (genauer: er hat Visuelle Kommunikation studiert), gründete er mit einem Kompagnon, Hennig Thies, die Agentur Gudberg, die sich zunächst der schönen, neuen Netzwelt widmete. „Ich war und bin dabei zuständig für die kreative Seite im weitesten Sinne“, stellt Jan Müller-Wiefel fest.

War, weil er mit Henning Thies immer noch geschäftlich verbunden ist, über eine 2003 ins Leben gerufene Firma – Finetunes – die sich schon früh mit dem digitalen Vertrieb guter Musik befasst. Oke Göttlich, seit kurzem Präsident des FC St. Pauli, ist der Dritte im Finetunes-Bunde. Aber das ist mal eine andere Geschichte, zumal Jan Müller-Wiefel ins dortige Tagesgeschäft nicht mehr direkt involviert ist.

„Gudberg ist eigentlich ein Mix aus Old und New School“, findet der kreative Kopf. „Zum einen bieten wir neben den Mags noch zahlreiche Bücher an, hier im Laden umfassen wir die Bereiche Kunst, Design, Illustration und Photographie.“ Darunter sind inzwischen zahlreiche Bücher, die im Gudberg-Verlag publiziert werden. „Den Verlag habe ich 2006 gegründet als ich zunehmend merkte, wir sehr mir der gedankliche Austausch etwa mit Künstler Spaß macht und mich selbst in meiner Arbeit inspiriert.“

Nicht zuletzt deswegen ist der Laden in der Poolstraße gleichzeitig immer Galerie. Und gemeinsam mit anderen Künstlern organisiert Gudberg immer wieder über‘s Jahr  kleine und größere Ausstellungen in anderen Hamburger Spaces. „Mich in die Auseinandersetzung mit anderen Räumen temporär zu begeben, ist jedes Mal eine wunderbare Herausforderung für mich und mein Team“, freut sich Jan Müller-Wiefel. Seit einigen Monaten hat er nun das Portfolio der Agentur Gudberg um eine Partnerschaft erweitert: „Gemeinsam mit Jürgen Nerger gibt es nun Gudberg-Nerger.“ Jürgen Nerger hat sehr gute Kontakte in die Industrie, „ein Sektor, in dem Gudberg bislang nicht so richtig präsent war“, meint Jan Müller-Wiefel schmunzelnd.

Ein erstes gemeinsames Projekt mit Jürgen Nerger, der im Werbe-Film eine der ersten Hamburger Adressen ist, galt einer Ausstellung im Mercedes Me-Store zum Thema Hamburger Design. Zwischenzeitlich wurde aus dem Mercedes-Laden ein Gudberg-Pop-Up-Store. „Wir versuchen mit unseren drei Standbeinen – Agentur, Galerie, Verlag – alle Medien zu bespielen. Gerade sind wir dabei ein Applikation zu entwickeln, mit der wir etwa die Inhalte von Photo- oder Kunstbüchern ins Digitale vertiefen zum Beispiel mit Audiokommentaren, Making Of‘s oder weitergehenden Infoebenen zu den jeweiligen Künstlern.“

So spannt sich ein beständiger Bogen von der alten in die neue Medienwelt. Gerade in diesem Spannungsverhältnis bewegt sich Jan Müller-Wiefel, dort fühlt er sich am wohlsten und entdeckt dauernd neue Talente und gibt ihnen die Chance, sich zu präsentieren. Wie kam es übrigens zu dem Namen? „Den habe ich mal geträumt und ich finde er klingt nach Buch, Haptik, Kreativität und Phantasie“. No more, no less.

Gudberg-Nerger, Poolstr.8, Hamburg, geöffnet Montag bis Samstag, 10-18 Uhr.


von Andreas Wrede, Editor InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School

 

Fotocredit stillfiles.com


 

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