CROSSMEDIA
11
Nove.2014

Think big, start small – fail fast and cheap (Björn Simon, Yello)

nextMedia.Hamburg: Marketingabteilungen müssen sich verändern, um im Wandel zu bestehen. Wie organisieren Sie das?

Björn Simon: Zunächst ist es wichtig, dass nicht nur Marketingabteilungen, sondern Unternehmen sich insgesamt wandeln müssen. Die Herausforderung liegt vor allem darin, dass der Wettbewerb immer schnelllebiger und dynamischer wird. Auf diese Rahmenbedingungen müssen die Unternehmen und damit auch ihre Marketingbereiche strukturell wie organisatorisch vorbereitet sein. Das heißt für uns, dass wir in kürzeren Zyklen denken, oder auch großangelegte Themen ganz bewusst „kleinschneiden“ müssen. Das ist am besten über moderne und agile Arbeitsmethoden zu steuern. Hierbei sind ganz klar die Führungskräfte gefragt, die agile Arbeitsweisen fördern und aktiv vorleben und dies zugleich von ihren Mitarbeitern einfordern. Der Ansatz „Think big, start small – fail fast and cheap“ fördert dabei die Innovationskraft und Kreativität der Unternehmen – insbesondere auch der Marketingabteilungen. 

 

 

nextMedia.Hamburg: Das Wissen, dass sich draußen etwas verändert, ist in vielen Unternehmen zwar vorhanden, dennoch werden Kampagnen eher klassisch in Print und TV geplant. Dabei hat sich das Mediennutzungsverhalten geändert. Wie kommt dieses Wissen überall im Unternehmen an?

Björn Simon: Studien und Detail-Informationen über das heutige Mediennutzungsverhalten liegen uns zuhauf vor. Wichtig ist meines Erachtens die Fokussierung auf die „Big Points“. Aus strategischer Sicht sollten immer auch Erfahrungen gesammelt werden, die neue Erkenntnisse zu Formaten, technischen Möglichkeiten und Nutzerverhalten geben. Dies kann z.B. geschehen, indem zugrunde liegende Thesen mit entsprechenden Testing-Szenarien überprüft werden – das führt in der Regel kurzfristig zu beachtlichen Erfolgen. Auf Grund unserer Unternehmensgröße gelingt es uns, über den teaminternen aber auch übergreifenden Austausch dieser Erkenntnisse schnell ins Unternehmen zu kaskadieren. 


nextMedia.Hamburg: Muss das Marketing der Zukunft noch technischer werden und neben Zahlen auch Technologien beherrschen?

Björn Simon: Auf jeden Fall! Auch die Arbeitsbereiche im Marketing werden zunehmend komplexer: Gerade die fortschreitende Digitalisierung der Medienwelt fordert immer mehr technische Skills auf der Seite der Marketing-Experten. Nur mit einem sicheren Verständnis dieser Kanäle und den dahinter liegenden Mechaniken gelingt es den Marketingbereichen so nah wie möglich am Kunden zu sein. 

 

 

nextMedia.Hamburg: Können es sich einzelne Abteilungen innerhalb des Tagesgeschäftes überhaupt leisten, zu experimentieren und ggf. einmal nicht die gewünschten Ergebnisse zu liefern?

Björn Simon: Sie können es sich nicht nur leisten. Sie müssen es sich leisten! Gerade in einem volatilen Umfeld ist es wichtig, dass schnell auf neue Trends reagiert werden kann. „Think big, start small – fail fast and cheap“ bedeutet ja zum einen, dass im laufenden Betrieb experimentiert wird, zum anderen fließen die Erfahrungen daraus in künftige Maßnahmen ein und verleihen diesen schnell Marktreife. Damit wird die Fehlertoleranz als eine der wichtigsten Managementeigenschaften business-relevant und sorgt schließlich für einen effizienten Marketingbereich. 

 

 

nextMedia.Hamburg: Bleibt Marketing in Zukunft eine wichtige unternehmensstrategische Aufgabe oder wandert das Wissen quer in viele verschiedene Abteilungen ab?

Björn Simon: Marketing ist und bleibt eine unternehmensstrategische Aufgabe, da das Marketing quasi die Unternehmensführung aus Kundensicht sicherstellt. Ich bin aber auch der Überzeugung, dass sich die Profile der Marketingbereiche verändern müssen. Die zentralen, oft statischen Marketingabteilungen werden den schnellen Entwicklungen der Märkte und Medien nicht mehr Stand halten können. Deswegen dürfen wir nicht nur den Blick über den Tellerrand wagen, sondern müssen eigenverantwortlich vor allem den direkten Austausch in interdisziplinären Teams suchen, um optimal in und mit der Organisation aufgestellt zu sein.

nextMedia.Hamburg: Herr Simon, vielen Dank für ds Gespräch. 

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