CROSSMEDIA
14
März2013

Verlage in digitalen Sphären – Anforderungen und Perspektiven

Verlage in digitalen Sphären – Anforderungen und Perspektiven

Das Thema E-Book ist für Verlage kein einfaches. Dass die Entscheidung für den digitalen Markt aber durchaus Relevanz hat, zeigt der in 2012 gegenüber dem Vorjahr erheblich gestiegene Umsatzanteil in Deutschland von knapp 1% auf 2%. Haben sich Verlage nun dazu durchgerungen, in digitaler Richtung aktiv zu werden, müssen sie das neue Medium in den Workflow integrieren und hierbei gleichzeitig auch noch die speziellen Anforderungen des digitalen Business berücksichtigen.

Ganz am Anfang steht die Definition des digitalen Verlagsprogramms, zumal nicht jeder Buchtitel sich gleichermaßen als E-Book eignet. Der Verlag hat dann bei der Umsetzung die Wahl zwischen mehreren Dateiformaten. Angefangen beim schlichtem PDF, das in der Herstellung denkbar günstig aber auf den Endgeräten (insbesondere den e-Ink Readern) weniger attraktiv abgebildet wird. Weiter geht es mit dem reflowable epub oder epub2, das von (fast) allen Shops und Lesegräten unterstützt und neben dem relativ günstigen Konvertierungspreis auch noch den Vorteil hat, durch variable Schriftgröße und Zeilenumbrüche flexibel den Bedürfnissen des Lesers angepasst werden zu können. Das mobi-Format, das derzeit von Amazon für seine Kindle Geräte und Apps verwendet wird, ist hier relativ ähnlich geartet, sowohl preislich als auch in der Handhabung. Das fixed layout epub ist insbesondere für bildreiche Inhalte wie Kochbücher oder Kinderbücher relevant und hat den Vorteil, als sogenanntes epub3 auch zusätzliche Medien wie Musik oder Filme einbinden zu können.

Die Antwort von Amazon auf das epub3 ist das KF8, das allerdings nur Layout-Funktionen unterstützt und derzeit noch keinerlei Integration weiterer Medieninhalte zulässt.  Zu guter Letzt eröffnet Apple mit dem ibook-Format noch eine weitere Option zur Umsetzung bildlastiger Inhalte, wobei hier zu berücksichtigen ist, dass bei Wahl dieses Formates nur der iBookstore als Verkaufsplattform zur Verfügung steht. Eine solche Exklusivität kann durchaus ihre Vorteile haben, bietet der iBookstore doch gerade für dieses E-Book Format gesonderte Präsentationsmöglichkeiten an. Für belletristische Verlage fällt die Wahl allerdings zumeist auf das reflowable ePub und mobi, um eine größtmögliche Abdeckung an Shops und Geräten zu gewährleisten.

Bevor nun an die Konvertierung gegangen werden kann, müssen jedoch noch die Lizenzrechte geklärt werden, wobei es oftmals nicht nur um das gedruckte Wort geht sondern auch um die Bildrechte. Gerade bei Büchern mit viel Bildmaterial kann das einige Zeit in Anspruch nehmen. Im nächsten Schritt sind Partner zur Konvertierung zu suchen und auch zu finden. Bei den Preisverhandlungen und der Angebotserstellung kann es hier überaus hilfreich sein, die gegebenenfalls noch brachliegende Backlist mit in die Waagschale zu werfen, da viele Firmen gerade über die gelieferte Menge an Content günstigere Angebote erstellen können. Alternativ zur externen Abwicklung der Konvertierung muss die Herstellungsabteilung in der Erstellung von E-Books geschult und passende Computerprogramme – so noch nicht vorhanden – angeschafft werden. Das hat insofern einen deutlichen Vorteil, als dass die Wege kürzer und so mögliche Änderungen oder Korrekturen schneller durchführbar sind.

Stehen die Konvertierungsangebote fest, muss die Preisgestaltung bestimmt werden. Wichtig ist hierbei, dass der Börsenverein zwar eine grobe Richtlinie zur Preisgestaltung zwischen Print- und Digitalprodukten angibt – nämlich digital 20% unter Printpreis – diese Maßgabe ist jedoch nicht bindend, so dass hier jeder Verlag frei agieren kann. Letztlich kommt es vor allem darauf an, dass die Preisbindung gewährleistet ist, also das Produkt „E-Book“ in allen Verkaufskanälen den identischen Preis hat. Dabei kann der E-Book Preis auch ohne weiteres 30, 40 oder 50 % unter dem Printpreis liegen. Die Belieferung kann entweder direkt zwischen Verlag und Shop abgewickelt werden, was natürlich Vertragsabschlüsse und einiges technisches Know-how erfordert, oder alternativ über Dienstleister erfolgen, die in der Regel dann auch auf die Einhaltung der Preisbindung achten.

Frage ist auch hier wieder, ob und wie sich die Auslieferung in den Workflow des Verlages integrieren lässt und ob es sich nicht tatsächlich rechnet, auf externe Firmen zurückzugreifen. Ein Schritt übrigens, der beim digitalen „großen Bruder“ Musik-Business bereits seit Jahren Usus ist. Und ein Return-on-Invest wird, wenn vielleicht nicht in den ersten Monaten, so aber zumindest mittelfristig eintreten. Nicht zuletzt auch wegen der entfallenden Logistikkosten, Lagerhaltungskosten und Kosten für Nachauflagen.

Insofern: auf in den E-Book Markt!

Dr. Maike Prehn (35) studierte nach Ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin in Hamburg Phonetik und Indogermanistik. Während des Studiums arbeitete Sie im Rahmen eines Volontariats in der Abteilung Rechte und Lizenzen des Hoffmann und Campe Verlages und wechselte nach Beendigung des Studiums in den Kundenservice des Barsortiments Libri. Im Anschluss daran promovierte sie im Bereich Linguistik an der Universität Amsterdam und war als Kundenbetreuerin wieder für Libri tätig. Seit September 2011 verantwortet Maike Prehn den Bereich E-Book und Audio Book im Digitalvertrieb Kontor New Media GmbH in Hamburg.

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