CROSSMEDIA
17
Febr.2015

Vom Silicon Valley an die Elbe - ein Gespräch mit Oliver Graul (Mesosphere)

Getreu ihrem Namen soll es hoch hinaus gehen für das IT-Startup Mesosphere: 36 Millionen US-Dollar wurden allein in der letzten Finanzierungsrunde eingesammelt, Top VCs stehen hinter dem Unternehmen und am neuen Standort in Hamburg will man das Team in den nächsten ein bis zwei Jahren mit bis zu 100 Ingenieure aufstocken. Mesosphere will mit seinem Datacenter Operating System dabei helfen Rechenzentren effizienter und stabiler zu machen. Das DCOS bündelt Rechenleistung und automatisiert häufig ausgeführte Vorgänge. Tausende von Servern können so in einem Rechenzentrum oder der Cloud verbunden werden, dass sie sich wie ein großer Rechner verhalten. Der Auftakt im Silicon Valley ist geglückt, mit der Eröffnung eines neuen Office an der Elbe Mitte letzten Jahres wurde der nächste Schritt in puncto globales Wachstum getan. nextMedia.Hamburg sprach mit Geschäftsführer Oliver Graul über ihre Ziele, ihr Dasein als nicht "buntes" Startup und wichtige Themen wie Datensicherheit und Smart Data.   

 

Ihr seid ein Startup aus dem Silicon Valley – was verschlägt euch nun nach Hamburg? Was zeichnet den Startup-Standort Hamburg aus? 
Hamburg ist eine sehr weltoffene Stadt und hat eine hervorragende IT-Szene. Neben der sehr guten Infrastruktur besitzt Hamburg die nötige Attraktivität auch Experten aus anderen Ländern dazu zu begeistern hier zu arbeiten.  

Was sind die größten Unterschiede in der Gründermentalität zwischen den USA und der Hansestadt bzw. Deutschland? 
Nun, ich denke grundsätzlich sind die Mentalitäten ähnlich, allerdings wird es den deutschen Gründern sehr viel schwerer gemacht. Die bürokratischen Wege und die Versorgung mit Risikokapital sind deutlich beschwerlicher hierzulande. Auch wird jungen Unternehmen in Deutschland deutlich mehr wirtschaftliches Misstrauen entgegengebracht. 

Was genau hat man unter dem Mesosphere Data Operating System zu verstehen? Was bietet ihr konkret an? 
Unser DCOS ist praktisch gesehen ein Softwarepackage, womit man sein gesamtes Serverinventar  zu einem grossen Server vereinen kann. Vom zentralen Verwaltungscockpit aus steuert man die Verteilung von z.B. Hadoop, Rails  oder Spark Instanzen. Einzelne Nodes oder Server können hinzu oder herausgenommen werden, um diese Auszutauschen ohne, dass der Betrieb davon beeinfluss wird. Workloads werden dynamisch auf idle Nodes übertragen, so dass die Gesamtauslastung optimiert wird. Daneben bringt es all die Tools mit, welche man von einem Betriebsystem auch erwartet, Cron, Monitoring, Alerting etc.

Ihr bezeichnet eure Arbeit ja als Kerninformatik – wie schafft man es mit einem solchen, eher „nüchternen“ Thema, Aufmerksamkeit für sich zu erzeugen? Oder seid ihr zufrieden mit der Rolle des Hidden Champions? 
In der Tat ist das kein wirklich „buntes“ Thema, obwohl es uns doch sehr grosse Freude bereitet, sowohl in der Entwicklung als auch in der Herausforderung mal wieder was wirklich großartiges zu erfinden. Meine Erfahrung ist, dass wir auf auf den ersten Augenblick erst einmal komisch angeschaut werden, weil wir ja gar nichts mit Mobile oder Web oder gar eCommerce machen. Wenn wir dann aber nach ein paar Sätzen erklärt haben was wir tun, sind die meisten Gesprächspartner hellauf begeistert. Insgesamt zeigt uns dies natürlich, dass wir unser Produkt in der Zukunft noch besser werden kommunizieren müssen. Aber wir stehen ja noch am Anfang.

Ihr habt  bereits einige Finanzierungsrunden hinter euch – Top-VCs haben viele Millionen in euch investiert – wie geht ihr mit diesem Vertrauensvorschuss um? 
Wir haben wie jedes anderes Startup Unternehmen unsere Ziele, die wir mit unseren Investoren eng abstimmen. Bis jetzt haben wir diese alle gut erreicht. Zum Teil läuft es sogar noch besser. Und generell gilt natürlich einen regen Austausch mit den VC's zu pflegen - dort können wir ja auf Top Erfahrung und ein breites Netzwerk zugreifen, was uns so manche ungeahnte Möglichkeit eröffnet.

Was sind eure nächsten Ziele? Wohin wollt ihr wachsen? 
In erster Linie wollen wir natürlich noch mehr IT- Experten für unser Team gewinnen, um damit unsere Software weiter Auszubauen und schneller Anpassungen vorzunehmen. Ziel ist es hier am Standort Hamburg in den nächsten 1-2 Jahren um die 100 Ingenieure aufzubauen. Weiter wollen wir von Hamburg aus unsere europaweiten Verkaufsaktivitäten ausbauen.

Inwiefern verändern sich die Anforderungen die Datensicherung durch Big- und Smart-Data? 
In erster Linie ist natürlich mit viel grösseren Datenaufkommen zu rechnen, ob diese Daten immer unternehmenskritisch sind bleibt dahingestellt. Sollen diese Daten jedoch gesichert werden bzw. hochverfügbar sein, stossen klassische Systeme recht schnell durch ihren Verwaltungsaufwand und hohe Kosten an ihre Grenzen. Auch hier werden wir eine fehlertolerante Basis liefern, um solche Storagecluster zu einem deutlich geringeren TCO aufzubauen. 

Wie steht ihr zum Thema Datensicherheit und was könnt ihr konkret leisten?
Aus unserer Sicht passt unser System perfekt, um die meisten Bedenken auszuräumen. Jeder kann sich mit unseren DCOS seine eigene private Cloud/Cluster aufbauen ohne weiter auf andere Cloud Anbieter zu setzen. Gleichzeitig bieten wir erweiterte Verschlüsselungs- und Authentifizierungs- Features an, mit denen die gesamte Cluster Kommunikation geschützt wird. Das heisst also, unsere Kunden sind frei in der Wahl des Datenstandortes und werden auch bestmöglich in gesharten oder virtualisierten Umgebungen geschützt. Anzumerken ist, dass wir selber keine Cloud Services für unsere Kunden betreiben.

 

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