CROSSMEDIA
26
März2013

Wie Europas größtes Medienhaus durch Sport digital wird

Wie wird ein Medienhaus eigentlich digital? Die Antworten darauf sind bisher sehr unterschiedlich ausgefallen: Entweder werden Beteiligungen an Internetfirmen gesucht, wie beispielsweise Axel Springer bei AirBnB – oder neue Querschnittsabteilungen gegründet, die wie Gruner + Jahr Digital als Serviceeinheit für dienen. Die Sport-Bild aus Hamburg ist aber einen ganz anderen Weg gegangen und hat schlichtweg ihre Printredaktion von den digitalen Notwendigkeiten überzeugt und mit Sport-Bild Plus einen eigenen mobilen Ableger geschaffen.

Im Gegensatz zur Printausgabe, die in erster Linie auf Hintergründe, Reportagen und große Interviews setzt, ist die digitale Version der Sport-Bild nachrichtlicher aufgezogen. „Oft haben wir schon am Wochenende exklusive Geschichten, aber durch die lange Produktionsstrecke des hochwertigen Print-Produkts kommt uns die Konkurrenz in der Veröffentlichung manchmal zuvor“, beschreibt der Stellvertretende Chefredakteur Tobias Holtkamp die Gründe für das Erscheinen von Sport-Bild Plus am Sonntagabend um 21 Uhr. Bevor der neue digitale Ableger aber intern zum Erfolg wurde, musste die neue Chefredaktion um Matthias Brügelmann und Holtkamp ihre Hausaufgaben machen. Es galt zunächst, die 45 Mitarbeiter vom Mehraufwand für das digitale Projekt zu überzeugen und im Planungsprozess konsequent transparent zu bleiben. „Die Kollegen haben die Einladung zur Mitarbeit angenommen und schnell Lust auf das neue Familien-Mitglied bekommen“, freut sich der Bremer knappe sechs Monate nach dem Startschuss.

Doch der frische Wind bei der Sport-Bild macht nicht in den eigenen vier Wänden Halt. Mit dem Youtube-Format „Frag den Chef“ oder der Suche nach neuen Kolumnisten für Sport-Bild Plus bei Facebook wurde auch konsequent der Weg in die sozialen Netzwerke gesucht. „Social Media ist für traditionell starke Print-Titel ein echtes Geschenk, das die Redaktionen in beide Richtungen unbedingt annehmen sollten. Heißt: Mehrwerte liefern, aber auch Ideen und Meinungen abholen“, so der 35-Jährige. In den Anfangsmonaten des erhöhten Onlineengagements schlug den Sportexperten aber auch Ablehnung entgegen, die sich oft mit den Namen „Bild“ und „Axel Springer“ verband. „Als die User aber gemerkt haben, dass wir es ernst meinen, dass wir ansprechbar sind und direkt antworten, gab es viel positive Resonanz.“ Heute profitieren die Blattmacher vom digitalen Feedback und rekrutieren darüber zum Beispiel Praktikanten, lassen über Poster in der Heftmitte abstimmen oder diskutieren Leserbeiträge aus Twitter und Facebook in der Redaktionskonferenz.

In den kommenden sechs Monaten wird die Verzahnung von Digital und Sport bei Axel Springer noch enger. Vor knapp zwölf Monaten hatte sich das Medienhaus die Rechte für Internet-Highlight-Clips bei der Ausschreibung der DFL gesichert. Ab August 2013 können Fans etwa 60 Minuten nach Abpfiff in einer Bundesliga-Welt bei BILD.de zwischen kurzen und XL-Berichten (90 Sekunden oder bis zu 6 Minuten) wählen. Stationär am Rechner, aber auch mobil auf Smartphone, Tablet oder Smart-TV. Holtkamp, der deshalb den Großteil seiner Woche in Berlin verbringt, glaubt an eine große Nachfrage: „Es gibt viele Zielgruppen. Fans, die  zum Beispiel im Stadion waren und auf der Rückreise sind. Oder wer abends unterwegs ist und schnell das Spiel seiner Mannschaft und die besten Tore des Spieltages sehen will.“ Derzeit werden im wohl ambitioniertesten Digitalprojekt eines deutschen Medienhauses u.a. die Verträge mit den Kommentatoren gemacht, darunter erfahrene Voll-Profis, aber auch Newcomer. Sportfans dürfen sich also auf die neuen digitalen Möglichkeiten in der kommenden Fußball-Saison freuen.

 

Autor: Jan C. Rode

Bildnachweis: Axel Springer

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