5 Fragen für 2015: Timm Peters (Hacker School)

nextMedia.Hamburg: Während die Welt um uns herum immer digitaler wird, kommt das Thema Informatik an den deutschen Schulen seit 30 Jahren nicht vom Fleck. Woran liegt das?

Timm Peters: Das liegt daran, dass die Bedeutung der Informatik seit 30 Jahren konsequent und mit steigender Intensität unterschätzt wird. Schule soll zur aktiven Teilhabe an der Gesellschaft befähigen. Wenn sich also die Gesellschaft ändert, müsste sich dies konsequenter Weise auch in einem geänderten Fächerkanon widerspiegeln. Nur wurde und wird die Informatik nicht als wichtiges Bildungsgut für Kinder und Jugendliche in einer nahezu vollständig digitalisierten Gesellschaft erkannt. Deutschland ist bemüht, wieder einmal den Anschluss zu verlieren. 

nextMedia.Hamburg:  Alle Jahre wieder heißt es, dass  hierzulande bis zu 40.000 IT-Kräfte fehlen. Der Branchenverband BITKOM spricht gar von einer strukturellen Lücke. Um diese zu schließen, entstand im Sommer in Hamburg jetzt die Hacker School. Was verbirgt sich dahinter?

Timm Peters: Die Hacker School ist eine Non-Profit-Initiative von uns drei Hamburger IT- und Medien-Unternehmern, David Cummins, Andreas Ollmann und mir. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche an das Programmieren heranzuführen und dafür zu begeistern, Talente zu entdecken und sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Außerdem möchten wir erreichen, dass Informatik in den Lehrplänen Hamburger Schulen stärker berücksichtigt wird.

nextMedia.Hamburg: Welche Pläne hat die Hacker School für 2015? Sind auch Kurse für erwachsene Um- und Aussteiger denkbar?

Timm Peters: Nachdem wir im Juni hier in Hamburg mit der ersten Summer Session gestartet sind und im Oktober Teil des OpenCampus der Jacobs University Bremen und offizieller Beitrag Deutschlands zur Code Week Europe waren, steht für 2015 der bundesweite Roll-Out auf dem Programm. Auch werden wir die Zusammenarbeit mit Berlin und Brüssel intensivieren und ausbauen. Kurse für Erwachsene sind denkbar, aber derzeit nicht geplant. Wir wollen uns auf die Kinder und Jugendlichen konzentrieren. Für Erwachsene gibt es schon Angebote, mit denen wir gerne und gut kooperieren und auf die wir bei Anfragen von Erwachsenen verweisen.

nextMedia.Hamburg:  Warum sollte jeder in Zukunft zumindest ein paar Grundkenntnisse Code beherrschen können?

Timm Peters:  Weil unsere Welt immer digitaler wird und die Computer immer weniger wie Computer aussehen. Das Zeitalter des Computer als moderne Schreibmaschine und Spielautomat für das Kinderzimmer ist längst vorbei. Mikroprozessoren befinden sich inzwischen in so vielen Geräten, dass eine Differenzierung zwischen analogen und der digitalen Welt nur noch bedingt Sinn macht. All diese Geräte müssen nicht nur benutzt, sondern auch programmiert werden. Darum sollte man wissen, wie digitale Maschinen funktionieren. So wie man auch grundsätzlich weiß, wie eine Dampfmaschine und ein Otto-Motor funktionieren, wie die Evolution läuft und dass es ein Periodensystem der Elemente gibt.

nextMedia.Hamburg:  Das Internet of Things wird schon bald Realität - ein Traum für Hacker oder Betätigungsfeld für emanzipierte Benutzer, die ihrem Kühlschrank beibringen, das Abendessen zu bestellen?

Timm Peters: Grundsätzlich ist das Internet of Things so sicher oder unsicher wie alle anderen digitalen Maschinen. Es muss also genauso vor Crackern gesichert werden. Und Hacker sind nicht die Bösen, sondern alle, die eine schnelle Lösung mit IT bauen. In diesem Sinne sind Funknetze, Embedded Systems, 3D Druck und ganz allgemein die Maker-Szene ein Traum für Hacker - und damit eben auch Betätigungsfeld für emanzipierte Benutzer. Denn das ist das Gleiche.

nextMedia.Hamburg: Vielen Dank für das Gespräch, Timm. 

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