Crowdfunding und Social Media

Aktuelle Einschätzungen zu Crowdfunding beginnen häufig mit einem Blick zurück: Die Freiheitsstatue wurde den Amerikanern im Jahr 1886 von den Franzosen geschenkt, doch der Sockel für die Statue fehlte. Tageszeitungen aus New York riefen daraufhin zur Sammlung von Spenden auf und initiierten mit ihrem Erfolg so etwas wie die Geburtsstunde des Crowdfunding. Allerdings dauerte es noch einige Jahrzehnte, bis Crowdfunding endgültig populär wurde. Entscheidende Faktoren für den aktuellen Erfolg spielen dabei Social Media (Facebook, Xing, Linkedin, Twitter etc.) und Micropayment-Systeme (bspw. Paypal).

Ohne Social Media müssten Starter für ihre Crowdfunding-Projekte vermutlich Anzeigen bei Goolge schalten und mit höherem monetären Aufwand um Unterstützung werben. Soziale Netzwerke helfen aber dabei, dass eigene Anliegen viel zielgerichteter bekannt zu machen. Im ersten Schritt sind dies laut Slava Rubin, Gründer von indiegogo.com, enge Freunde, Bekannte oder auch die Familie (Kontakte 1. Grades). Deren Weiterempfehlungen (bsp. über Social Media) führen im zweiten Schritt dazu, dass auch Kontakte 2. Grades vom Crowdfunding-Projekt erfahren. Damit ist der Multiplikatoreffekt sozialer Netzwerke aber noch längst nicht ausgeschöpft: Auf den Webseiten können auch völlig Unbekannte Informationen zum Projekt, dem Starter und den bisherigen Geldgeber beziehen.  Sie sind nicht mehr die ersten, die einem für sie unbekannten Menschen, über das Internet Geld geben. Die Schwarmintelligenz hat eingesetzt.

Trotz dieses klaren Layouts existieren beim Begriff Crowdfunding noch viele unterschiedliche Definitionen. In Zukunft bieten sich vier Betrachtungsweisen an: Erstens, Donation-based Crowdfunding für Projekte mit altruistischem Charakter. Anders als bisher, sollte hier bei einem Verfehlen des Projektziels das eingeworbene Geld nicht an die Unterstützer zurückgezahlt, sondern für das Projekt gespendet werden. Beim Rewad-based Crowdfunding wird Geld für Produkte oder Dienstleistungen bereitgestellt und verbleibt beim Gründer, während beim Lending-based Crowdfunding der Einsatz verzinst zurückfließt. Als vierte Variante bietet sich das Equity-based Crowdfunding an, bei denen beispielsweise als Gegenleistung für den Kredit Unternehmensbeteiligungen veräußert werden. Hier fliesst das Geld erst zurück, wenn die Beteiligung verkauft wird.

Insbesondere bei den beiden letzten Spielarten - Kredite und Unternehmensbeteiligungen - erweisen sich Micropayment-Systeme als der große Gamechanger. Unsere künftige Finanzwelt wird sich anhand institutionalisierte Strukturen wie Banken, Eigenkapitalgesellschaften und Investmentfond zu einer demokratischen und stabileren Variante ohne lästige Intermediäre wandeln müssen, um überlebensfähig zu sein. Deshalb ist Crowdfunding auch mehr als ein kurzer, neuer Trend. Vielmehr hat die neue Finanzierungsform das Zeug dazu, die künftige Finanzierung von Projekten völlig auf den Kopf zu stellen.

Gastautor: Clas Beese, Gründer von finmar, der ersten crowd-to-business lending Plattform in Deutschland



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