Facebook Timeline: Willkommen im Nutzer-Zoo!

Die Einführung der neuen Facebook-Timeline – auf Deutsch auch Chronik genannt – war im März mit viel Aufregung verbunden:  Datenschützer warnten nur Stunden nach dem Launch vor neuen Gefahren im Internet, während sich Firmen und Werber über ihre renovierten Unternehmensseiten freuten. Doch hinter der Timeline steckt noch viel mehr, denn Facebook wandelt sich derzeit vom vormals textlastigen Angebot zu einer Bildermaschine.

 „Vor allem Urheberrechtsverletzungen sind mit der neuen Chronik leichter zu finden“, bestätigt Anwalt und Autor Thomas Schwenke die Befürchtungen der Privatsphäre-Bewahrer. Ganz anders dürften jedoch Marken und Konzerne auf die Neuerungen blicken: Neben einem großen Titelbild haben sie mit dem Meilensteilen Steilvorlagen fürs Storytelling bekommen, die von Lego oder auch „Hidden Champions“ aus dem deutschen Mittelstand bereits rege genutzt werden.

Was vielen vermutlich nicht bewusst ist: Die Einführung der Chronik ist auch im Zusammenhang mit dem Erstarken von Pinterest zu sehen. Nachdem der soziale Bilderdienst im Frühjahr bei den Nutzerzahlen durch die Decke zu gehen schien, hat sich das Wachstum nun jedoch verlangsamt. Dennoch ist die Bedrohung von bildlastigen Diensten für Facebook sehr groß. Die MTV-Generation ist schnelle Schnitte und Abwechslung gewohnt, lange Texte langweilen sie. Nicht zuletzt deshalb dürfte Facebook den Kauf von Instagram durchgedrückt haben.

Zudem zehrt Facebook immer noch vom Hype der vergangenen Jahre, Google liegt bei den Werbeeinnahmen nach wie vor weit vorn. Das soziale Netzwerk wuchert hingegen mit dem Pfund der privaten Nutzerdaten und plant in Zukunft, Werbung noch individueller präsentieren zu können. Die Chronik erfüllt dabei gleich zwei Aufgaben: Als runderneuerte Firmen-Spielwiese hält sie potenzielle Kunden bei der Stange, die zur Promotion ihrer Seite vermutlich viel Werbung auf Facebook schalten dürfen.

Darüber hinaus wurde auch das leidige Problem der „Shitstorms“ gelöst: Fan-Content wurde nun in eine kleine Box verbannt, wo er kaum noch stört. Streng genommen wird damit der Grundgedanke von Social Media und auch allen Kommunikationstheorien ad absurdum geführt, denn auch der Rückkanal wird auf den Unternehmensseiten von den hauseigenen Community Managern kontrolliert. Lustige und überraschende Aktionen wie „Der Brigitte“ dürfte somit auch weiterhin die große Ausnahme bei Facebook bleiben.

 

Bildnachweis: flickr.com / User: Search Influence, flickr.com/ User: goiabarea

 

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