Gamifizierter Startup Monitor soll Wahrnehmung Hamburgs stärken (Sina Gritzuhn)

nextMedia.Hamburg: Hamburg Startups bezeichnet sich als „Sympathisanten der Startup-Szene“. Wie ist die Idee entstanden?

Sina Gritzuhn: Die entstand aus dem Zufall heraus, dass zwei Frauen gleichzeitig mit Business Angel Tim Jaudszims ein Unternehmen gründen wollten. Sanja Stankovic, Mitgründerin der Digital Media Women und digital Consultant plante gemeinsam mit Tim eine Eventsparte, die aus dem Startups@Reeperbahn Pitch-Event heraus entstand und förmlich nach einem Follow-up schrie. Ich war es zeitgleich als aktives Mitglied der Hamburger Startup-Szene leid, dass Hamburg als Gründermetropole in der öffentlichen Wahrnehmung praktisch nicht auftauchte, und dass obwohl hier so viele spannende Startups gegründet wurden und werden. Die Fragen: Wie viele Startups gibt es in Hamburg, in welcher Branche sind sie aktiv, wie erfolgreich sind sie, sollten endlich beantwortet werden. Die Lösung war dafür der Startup Monitor, der allen Startups in Hamburg eine öffentliche Bühne bietet und regelmäßig den Wachstum dieses Segments beobachtet und darstellt. Tim hat uns an einen Tisch gebracht und innerhalb kurzer Zeit (2 Wochen genauer gesagt) war Hamburg Startups geboren, wir hatten eine Website und veranstalteten bereits die ersten Events.

nextMedia.Hamburg: Was genau verbirgt sich hinter dem Startup Monitor?

Sina Gritzuhn:Der Hamburg Startup Monitor ist zum einen eine Plattform für alle Startups, die in Hamburg gegründet worden sind. Hier bekommt jedes Startup ein eigenes Profil, das das Team eigenhändig mit Kern-Informationen bezüglich Name, Produkt, Branche, Businessmodell, Bildern und Videos befüllen kann. Es bietet den Startups eine Bühne zum einen für effiziente Media- und Investorrelation. Zum anderen ermöglichen wir so, dass die Startups sich hier einfach mit anderen jungen Unternehmen benchmarken können. Die Profile sind alle nach bestimmten Kennziffern filterbar – vergleichbar mit Crunchbase oder Angellist. Auf der anderen Seite erheben wir in regelmäßigen Abständen in einer anonymisierten Befragung Wachstumskennziffern der Hamburger Unternehmen, die dann in einem gesammelten Überblick u.a. über Infografiken öffentlich einsehbar sind. Das gibt uns die bisher einmalige Möglichkeit den Standort Hamburg als Gründerstadt mit annähernd repräsentativen Daten zu versorgen. Die größte Herausforderung, der wir uns hierbei stellen müssen, ist die Gründer zu incentivieren, regelmäßig an der Befragung teilzunehmen und vor allem, dass es Spaß bringt, mitzumachen. Da spielt der Gamification-Ansatz eine große Rolle, den wir mit einem Experten erarbeiten. Neben Realtime-Benchmarking während der Befragung, kann jeder Monitor-Teilnehmer Punkte sammeln, die dann später in Goodies einlösen: wie z.B. Zeitschriften-Abos, SaaS Software-Nutzung oder Produkte von unseren lokalen Partnern und ansässigen Startups aber auch in Form von ‚unbezahlbaren’ Goodies, wie gesonderte redaktionelle Betreuung oder Event-Teilnahmen. Diesen Spielraum testen wir gerade in der Closed-beta Phase aus, da uns ja am Herzen liegt, vor allem nützlich für die Gründer und ihre Startups zu sein. Da ist direktes Feedback enorm wichtig!

nextMedia.Hamburg: Wie kann der Standort Hamburg von genaueren Daten zu jungen und innovativen Unternehmen profitieren?

Sina Gritzuhn:Das Wunschziel ist es, der Stadt Hamburg eine Plattform zu bieten, mit der sie als bisher weltweit einziger Standtort über Realtime-Daten mit einem hohen Anspruch an Repräsentativität verfügt. Die Stadt bekommt somit wichtige Informationen über die Wirtschaftlichkeit einzelner Bereiche und Erfolgszahlen, die für jedes Standort-Marketing von großem Nutzen sind. Hamburg ist eine attraktive und nachhaltige Gründermetropole mit einer lebendigen Startup-Szene. Mit dem Monitor können wir das sehr plastisch abbilden. Was aber viel wichtiger ist, ist die Frage, was unsere Gründerszene wirklich braucht, um sich gesund zu entwickeln und nachhaltig wachsen zu können. Eben diese Möglichkeit bietet sich den Gründern, die Herausforderungen, vor denen sie aktuell stehen auch benennen zu können. Ein direkter Draht zu Stadt quasi.

nextMedia.Hamburg: In öffentlichen Diskussionen ist immer wieder festzustellen, dass unterschiedliche Vorstellungen zum Begriff Startups existieren. Wie lautet die Hamburger Definition?

Sina Gritzuhn: Das Thema Definition ist abendfüllend und viele Institutionen haben sich darüber bereits den Kopf zerbrochen. Wir haben im Zuge der Vorbereitungen des Monitors mit diversen Hamburger Einrichtungen, wie der Investitions- und Förderbank (IFB), der Handelskammer und der Stadt darüber gesprochen, um einen Konsens zu finden, damit man über dasselbe redet. Ein wichtiges Lerning im Zuge der Entwicklung war: Wir benötigen in der Erhebung keine Definition! Jeder Gründer, der sein Unternehmen als Startup versteht, ist herzlich eingeladen teilzunehmen. Es ist dann an uns im Befragungsablauf gezielt zu fragen, so dass anschließend eben nach jeder Form von Definition in der Datenbank gefiltert werden kann. So wird es je nach Anforderungen möglich sein, z.B. alle Startups jünger als 3 oder beliebig alt oder wenn auch nötig, bestimmte Branchen auszuschließen, aus der Datenbank zu filtern. Das gesamte Umfeld und die Incentivierung der Startups, wird die Gründer anziehen, die tatsächlich in die gängige Startup-Definition fallen.

nextMedia.Hamburg: Der Startups@Reeperbahn Pitch wird immer wichtiger für die Startup-Szene. Können die Teilnehmer 2014 auf ähnliche Erfolge wie protonet und Tinnitracks hoffen?

Sina Gritzuhn: Im letzten Jahr standen neben anderen Startups auch Protonet und Tinnitracks auf der Startups@Reeperbahn Pitch-Bühne und das Jahr für beide Startups war sehr erfolgreich. Das Startups@Reeperbahn Pitch-Event, das wir in Kooperation mit dem Reeperbahn Festival veranstalten ist ein wichtiger Aspekt unseres Gesamtportfolios: Der Gründerszene eine Bühne zu bieten, um zu zeigen, was sie auf dem Kasten haben. Auch in diesem Jahr wird das Pitch-Event am 18. September ein Happening, mit internationalen Investoren und Medienvertretern und verdammt viel Feuer und Leidenschaft! Durch seine Außergewöhlichkeit – den Investoren-Dates in unseren Lovemobilen, die vor der Location parken aber auch mit dem Rahmenprogramm (Mentoren-Blinddates, Unipitch, Talks und Startup-Workshops) zieht es eine Menge für Gründer interessante Leute an. So erhöhen wir natürlich die Kontaktrate mit spannenden Investoren oder der Presse. Wir haben große Hoffnung, dass sich daraus wieder Erfolgsstories made in Hamburg ergeben!

nextMedia.Hamburg:  Sina, wenn du drei Wünsche für die Hamburger Startupszene hättest...

Sina Gritzuhn: Mehr Sichtbarkeit für unsere Startups in der nationalen und internationalen Wahrnehmung – da sind wir aber bereits auf einem sehr guten Weg!
Mehr Mut von Seite der Gründer auch hervorzutreten und einmal mit Stolz zu zeigen, was sie bereits für Hamburgs Zukunft getan haben und noch tun werden.
Dass sich die vielen Institutionen, die gerade Projekte für Hamburgs Gründer anschieben, zusammensetzen und sich austauschen, damit nicht viele einzelne Akteure allein arbeiten, sondern einen Gemeinschaft an einem Strang für die Hamburger Startup-Szene ziehen und somit viel mehr erreichen können.






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