So eine Art Anti-Facebook (The Spectator)


Sich bei Nextdoor an zu melden, ist ein sehr umständlicher Prozess, Identifikations – und Adressen-Check sind auch nicht ohne, stellte „The Verge“ fest. Zwar können Mitglieder von Nextdoor Nachrichten posten – die werden aber nur von anderen Mitgliedern der direkten Umgebung gesehen und können nur von ihnen beantwortet werden.

Es gibt keinen Button zum Teilen oder Retweeten, in diesem Network ist das absolut tabu. Und die User müssen ihren wahren Namen benutzen, ein Alias ist nicht erlaubt. „The Verge“ findet, Nextdoor fühle sich „eher an wie ein schwarzes Brett oder ein Web Forum, kaum wie ein Social Network.“

Ein Beispiel: The Knolls ist eine 500-Seelen-Neighborhood in Columbus, Ohio, dort droht ein Keller mit Wasser voll zu laufen, der Hausbesitzer ist in angegriffenem Gesundheitszustand, kann selbst nichts unternehmen. Er postet einen Hilferuf auf Nextdoor und wie aus dem Nichts kommen Menschen aus der Umgebung, um tatkräftig zu helfen. Das klingt so ziemlich nach dem Gegenteil von Facebook, Twitter & Co. Ist es halt auch.

Gegründet wurde Nextdoor im Jahr 2010 in San Francisco, dort hat es auch nach wie vor seinen Hauptsitz. Über 100 Milllionen Dollar wurden als Venture Capital aufgebracht. Zunächst wollen die Macher und ihre rund 100 Mitarbeiter jedoch den Nextdoor-Service-Gedanken noch stetig verbessern, dann erst will man in größerem Stil Geld verdienen.

Mehr als 42.000 Nachbarschaften (O-Ton Nextdoor) erreicht das Anti-Facebook-Netzwerk bereits – das ist ein gutes Viertel aller US-Neighborhoods. Zahlreiche US-Gemeinden nutzen bereits Nextdoor als Informationskanal um etwa strikt lokale News oder Services zu verbreiten bzw. an zu bieten.

Nextdoor nennt sich selbst „eine private Umgebung nur für Dich und Deine Nachbarn“. Und es verspricht, es sei „der einfachste Weg sich über die Nachbarschaft auf dem Laufenden zu halten.“ Wenn es Anzeigen hat, dann beziehen sich die auf lokale Geschäfte, die große, weite Welt interessiert hier nicht. Damit ist dieses Network auch ein Gegenentwurf zu Craigslist, - wer hier via Nextdoor kauft oder verkauft, kennt den Käufer oder Verkäufer persönlich oder hat zumindest die Möglichkeit eines unmittelbaren, privaten Kontaktes.

So wird Nextdoor zu einer Art lokaler Suchmaschine, wenn ein Mitglied um eine Restaurantempfehlung nachsucht, eine neue Wohnung braucht oder ganz dringend die Dienste eines Klempners in Anspruch nehmen will. In Planung ist, Nextdoor zu internationalisieren, schließlich kann die Grundidee - nachbarschaftliche Hilfe und nachbarschaftliche Kommunikation – überall auf der Welt funktionieren. Und so würde Nextdoor ironischer Weise denn doch irgendwie global. Wie auch immer: nextMedias’ Spectator behält dieses Social Network im Auge.

Text: Andreas Wrede

Foto: flickr.com/photos/proimos/

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