Viewster ist Entdeckerplattform (Robert Franke)

nextMedia.Hamburg: Amazon ist schon da, Netflix kommt bald - was unterscheidet Viewster von anderen Video-on-Demand-Plattformen?

Robert Franke: Viewster ist ein Videodienst zum Entdecken von Filmen und Serien, die den Weg noch nicht in den Mainstream gefunden haben. Wir setzen uns dabei ganz gezielt von der Konkurrenz ab, indem wir bei der Akquise von Inhalten abseits der ausgetretenen Pfaden wandeln und durch eine analytisch getriebene Marktbeobachtung Inhalte identifizieren, die auf den großen Platformen unterrepräsentiert aber trotzdem großes Marktpotential haben. Dadurch haben wir uns insbesondere in der Zielgruppe der Millenials eine treue Nutzerschaft erschlossen, die diese Abgrenzung im Contentportfolio von den anderen Platformen zu schätzen weiß. Gerade weil wir nicht die Inhalte bei uns haben, die es bereits auch auf all den anderen Platformen haben. Wenn man mal ganz ehrlich ist, sind die Portfolios, insbesondere die der großen sVod Platformen, doch ziemlich redundant und damit am Ende irgendwie austauschbar. Durch ein schärferes Profil können uns hier gezielt abgrenzen und die Nutzer stärker an uns binden. Zusätzlich veranstalten wir vierteljährlich das weltweit grösste Online-Filmfestival, um noch dichter am Markt zu sein und spannende Inhalte frühzeitig zu identifizieren. Durch diese enge Verzahnung des Festivals mit unserer Programakquise können wir dann diese Inhalte aus den Festivalportfolio für unser reguläres Programm lizensieren. Last not least ist Viewster werbebasiert und errichtet damit keine künstliche Bezahlhürde, so dass wir unsere Inhalte einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung stelen können. Insbesondere bei der jungen Zielgruppe kommt das gut an, die normalerweise auf illegalen (aber kostenlosen) Piratenplatformen ihre Inhalte konsumieren würde. Viewster bekämpft damit auch indirekt die Bewegtbildpiraterie.

nextMedia.Hamburg: Verwirrt es die Nutzer nicht, wenn sie bei neuen Blockbustern nach zehn Minuten gefragt werden, ob sie den Film nun kaufen oder mieten wollen? Der Wettbewerb setzt hier auf Flatrate-Modelle.

Robert Franke:Unser Blick auf den Markt setzt auf Differenzierung. Wenn man mal schaut wer sich hier lokal mit dem Anspruch als sVod Vollsortimenter so tummelt sehen wir wirklich keinen Bedarf einen bereits vollkommen übersättigten Markt ebenfalls mitzubearbeiten. Amazon Prime, Watchever, Videoload, Maxdome und ab Herbst auch noch Netflix kämpfen mit mehr oder weniger austauschbaren Produktportfolios um den gleichen Markt. Da die meisten Inhalte nach wie vor non-exklusiv lizensiert werden haben sich die großen sVodplatformen hier noch kein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet. Auch Netflix die in den USA mit großen Eigenproduktionen aufwarten können, macht hier keine Ausnahme, da die eigenen Inhalte in Europa sublizensiert wurden, so dass der USP hier noch nicht greift. Wir konzentrieren uns da lieber auf den werbefinanzierten Markt mit einen Fokus auf starke kommerzielle Nischen.

nextMedia.Hamburg: Ihre größten Märkte sind die USA, England, Australien und dann erst Deutschland. Ist das Aushandeln von Lizenzen hierzulande so viel komplizierter?

Robert Franke: Nach dem immer noch grössten Markt USA, sind die anderen drei grossen Märkte, je nach Metrix, ungefähr gleich gross. In Deutschland haben wir sogar die grösste Anzahl lizenzierter Titel. Ich würde eher sagen, dass die Konkurrenz um attraktive Filmrechte in USA und UK grösser sind als hierzulande. Insgesamt ist allerdings der Pool der verfügbaren Titel in den angelsächsichen Ländern wesentlich größer, das das Gros der produzierten Inhalte in den meisten Fällen über eine englische Sprachversion verfügt, so dass sich am Ende die Akquisekomplexität über die Länder wieder egalisiert.

nextMedia.Hamburg: Das große Versprechen der VOD-Dienstleister ist ja, dass sich das Programm jederzeit personalisieren lässt. Aber eigentlich greift der Long Tail doch erst, wenn sehr viel Content online ist. Bis dahin bleibt doch vielfach nur alter Wein in neuen Schläuchen...

Robert Franke: Als Entdeckerplatform mit eigenem Festival haben wir immer sehr viel frischen Content auf der Plattform, der noch nicht überall gezeigt wurde, in Kino, Fernsehen und anderen Onlinedienste. Wir sprechen unsere User im Marketing sehr persönlich an, aber auf der Plattform sind wir noch nicht so personalisiert, wie wir gerne wollen. Wie ja zuvor bereits erwähnt gehen wir komplett andere Wege in der Produktlizensierung und haben daher ein viel geringeres Problem mit der Longtailproblematik als die großen sVod Platformen, da wir gezielt auf die Inhalte setzen die auf anderen Platformen kaum oder gar nicht zu finden sind.

nextMedia.Hamburg: Wie konsumieren sie heute TV-Inhalte? Live und mobil oder über Mediatheken und VOD?

Robert Franke: Unsere User konsumieren Inhalte immer mehr auf dem Mobilgerät, Smartphone und Tablet, und haben in dieser Anwendungsform den Desktop bereits überholt.

nextMedia.Hamburg: Herr Franke, vielen Dank für das Gespräch.

 

Robert Franke ist am 26. August zu Gast beim newTV Forum.

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