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17
Deze.2014

5 Fragen für 2015: Egbert Rühl (Kreativgesellschaft)

nextMedia.Hamburg: Seit 2013 bietet die Kreativ Gesellschaft Solo-Selbstständigen, und Kleinunternehmen, die mindestens seit zwei Jahren am Markt sind, mit einem Coach- und Expertenpool passgenaue unternehmensbegleitende Coachings zur Förderung der Geschäftsentwicklung. Jetzt wurde die Förderung für zwei Jahre verlängert - wie konnten die Teilnehmer bislang profitieren? 

Rühl: Ich erinnere ein Gespräch mit einem Soloselbständigen, der an diesem Programm teilgenommen hat und seine Umsätze danach um 90% steigern konnte. Ein typisches Ergebnis, wie uns die Evaluation des Programms zeigt. Die Idee hinter dem Coach- und Expertenpool ist, kleinen Unternehmen der Kreativwirtschaft eine individuelle Unterstützung in bei ihrem wirtschaftlichen Weiterkommen zu bieten. Unternehmen, die sich diese Art von Unterstützung selbst nicht leisten können. Die handverlesenen Coaches des Pools schaffen Akzeptanz und Credibility. Auf der betriebswirtschaftlichen Ebene geht es um Konsolidierung und Fortentwicklung der betreuten Unternehmen im Hinblick auf Umsätze, Arbeitsplätze und Innovationen. Auf der volkswirtschaftlichen um Stabilisierung und Entwicklung einer wichtigen Branche und einen Beitrag zur Prosperität Hamburgs.


nextMedia.Hamburg:Welche Strategien zeigen Hamburger Kreative im einem vom permanenten Wandel und Trends durchwirkten Markt? 

Rühl: Das Spezifika auch der Hamburger Kreativwirtschaft ist die großes Zahl kleiner und kleinster Unternehmen und Unternehmungen. Das hat sicher erhebliche Nachteile bei Skalierungen, aber extreme Vorteile bei der Anpassung an den steten Wandel. Niemand ist so flexibel und schnell wie die Kleinen. Inzwischen gilt als ausgemacht, dass die kleinen Unternehmungen der Kreativwirtschaft den Wandel und die Innovation in die großen Tanker tragen müssen, weil die nur sehr sehr schwer vom einmal angelegten Kurs abzubringen sind, selbst wenn der in den Abgrund führt. Die Strategie für den permanenten Wandel heißt: permanenter Wandel.

 

nextMedia.Hamburg: Ist die Digitalisierung eher Chance oder Last für die Kreativwirtschaft? 

Rühl: Grundsätzlich ist zu sagen, dass wir gerade eine Phase erleben, in der die Technologie vermeintlich über den Inhalt dominiert. Gleichzeitig gilt, dass die technischen Entwicklungen ohne Inhalt sinnlos wären. Was wäre ein mp3-Player ohne Musik? Um die Dinge noch komplizierter zu machen, sorgt die Technik dafür, dass einmal digitalisierter Inhalt qualitätsverlustfrei unendlich kopierbar ist. Das ist ein Segen für die Kreativwirtschaft, weil die Inhalte, einmal produziert, ohne Aufwand immer und überall sein können. Der Markt ist also maximal erschließbar. Und ein Flucht, weil die Inhalte nichts mehr wert sind und im unendlichen Datenstrom untergehen. Monetarisierung von Inhalten ist also ein Knackpunkt. Die Dominanz der Technologie durch die des Inhalts abzulösen, ein weiterer.  Sämtliche Teilmärkte der Kreativwirtschaft sind davon betroffen. Der Musikmarkt, der sehr früh mit diesen Herausforderungen konfrontiert wurde, sieht nach vielen Krisen wieder Land im digitalen Meer; unklar ist noch, ob es ein Kontinent ist, oder nur eine kleine Insel. Die Transformationskrise des Pressemarkts schüttelt Hamburg gerade heftig. In Zeiten der Veränderungen hilft nur Veränderung, dann ist die Digitalisierung eine Chance. Zumal sie ja nicht aufzuhalten ist. 

 

nextMedia.Hamburg: Eines der spannendsten innerstädtischen Projekte ist derzeit die Entwicklung im Oberhafenquartier. Welche Projekte entstehen dort zurzeit? 

Rühl: Die große Oberhafen-Frage war ja: Wie wird aus einem Güterbahnhof ein Kreativquartier und welche Schritte müssen getan werden, um sich dieser Vision zu nähern? Dabei war klar: Planen kann man einen solchen Prozess nicht. Und die größte Herausforderung ist, Akteure zu finden, die den Oberhafen mit Leidenschaft entwickeln. Da ist der wichtigste Schritt getan: die ersten 12 Vorhaben sind gefunden und gerade dabei ihre Wünsche und Anforderungen für ihre Existenz im Oberhafen zu präzisieren und zu planen. Die Vielfalt reicht von Musik- und Filmproduktionen, Ton- und Fotostudios, Textil- und Produktdesignern, Ateliers, Coworking-Spaces zu Handwerkern und Parcour-Sportlern. Alteingesessene Nutzer haben begonnen, ihre Konzepte zu verändern. Aus einem Fotostudio wurde ein Jazzclub. Die Gängeviertler haben im Sommer einen Club improvisiert, der sofort ein überregionaler Szenemagnet war. Die Fototriennale wird auch dort stattfinden. Der Oberhafen ist auf einem guten Weg, Mitte 2015 wird davon schon mehr zu sehen sein. 

 

nextMedia.Hamburg:Immer wieder wird eine mögliche Olympiabewerbung Hamburgs diskutiert. Wie könnte auch die Kreativszene davon profitieren?

Rühl: Wenn Olympia nicht als UFO einen Zwischenstopp in Hamburg einlegt, sondern es möglich ist, die lokalen –auch kreativen und künstlerischen- Potentiale auf Augenhöhe und nicht als Alibi einzubinden, kann es ein enormer Beschleuniger sein. Dabei geht es nicht um Kirchturmpolitik, sondern darum, sich im internationalen Vergleich zu behaupten. Das könnte Hamburg helfen sich aus der latenten Selbstbezogenheit zu befreien. Und es könnte ein Anfang sein, Probleme, die sich in der Umsetzung zwangsläufig ergeben, mit Hilfe der Lösungsstrategien aus der Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft interdisziplinär zu bewältigen. Olympische Spieler der neuen Methoden und Strategien in Hamburg: das hat doch was.

   

 

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