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24
Nove.2014

5 Fragen für 2015: Jennifer Schwanenberg (dpa infocom)

nextMedia.Hamburg:  Du beobachtest für dpa-infocom die lokale Startup-Szene. Was erhofft sich dein Arbeitgeber davon?

Jennifer Schwanenberg: Wir beobachten nicht nur die lokale Startup-Szene, sondern alle Startups, die was-mit-Medien machen oder eine spannende Technologie für die Medienbranche haben. Die Nähe zur lokalen Szene kommt dadurch, dass ich einen Schreibtisch im Betahaus habe und auf vielen Berliner und Hamburger Veranstaltungen zu Gast bin. Wir erhoffen uns davon, dass wir näher an den Trends dran sind. Wir sind ein großes Unternehmen und haben damit von Natur aus wenig Innovationskraft, wenn es um neue Kunden auf neuen Märkten geht. Wir wollen von Startups lernen wo die digitale Reise hingeht und möchten mit ihnen gemeinsam gehen. Unser Live-Blogging-Produkt dpa live realisieren wir gemeinsam mit einem Scribblelive aus Kanada und merken einfach, wie viel schneller die Produktentwicklung geht. Sich regelmäßig mit spannenden Startups wie Audioguide.me oder Heute in Hamburg zu unterhalten bringt uns näher an die spannenden Entwicklungen. Da haben die Hamburger Startups natürlich einen Vorteil, weil ich da einfach hin radeln kann. Der nächste Schritt wird es jetzt sein meine Kollegen stärker in den Dialog zu integrieren. Ich habe zusammen mit einigen Bekannten Hacks/Hackers in Hamburg gestartet, damit die Medienschaffenden stärker in den technischen Dialog kommen.

 

nextMedia.Hamburg:  Was sind die Stärken der Startups aus Hamburg?

 Jennifer Schwanenberg: Ich empfinde die Startups hier als sehr konkret und zielorientiert. Klar, Zielorientierung gehört zu Startup-DNA, aber in Berlin und San Francisco gehört es derzeit zum guten Ton ein Startup zu haben, da sind dann viele dabei die einfach nur das Geld ihrer Papis kaputt machen. In dem Zusammenhang kommt immer das Klischee des Hamburger Kaufmanns auf, was bestimmt auch ein bisschen zutrifft. Auch wenn nicht jeder Gründer von hier kommt, identifiziert sich dann doch ein Großteil der Teams hier damit, zumindest ist das meine Wahrnehmung.

 

nextMedia.Hamburg:  Was macht für dich Qualitätsjournalismus aus?

Jennifer Schwanenberg: Neugierde und Hartnäckigkeit. Gute Journalisten sind neugierig und schauen sich ständig nach etwas Neuem um. Aber jedes Startup kann ein Lied darüber singen, wie schwierig die Pressearbeit ist. Die großen Konzerne investieren gerade immer mehr in Startups, haben die Szene als echte Investitionschance erkannt, doch die Journalisten berichten kaum darüber, finden sie zu uninteressant, zu unsicher. Dabei ist die Startup-Szene quasi eine eigene wirtschaftlich relevante Branche geworden. Hartnäckigkeit finde ich auch wichtig. Dazu gehört es auch sich nicht zu doof dafür zu sein noch mal und noch mal die gleiche Frage zu stellen - und zwar nicht Google, sondern einem echten Menschen.

 

nextMedia.Hamburg:  Kann daraus auch in einer digitalen Zukunft ein Geschäftsmodell werden?

Jennifer Schwanenberg: Ich glaube schon, dass es valide Geschäftsmodelle für Qualitätsjournalismus in Zukunft geben wird. Warten wir doch einfach mal ab, was Buzzfeed noch so macht, die Story zur Arlena Lindley, die 45 Jahre Gefängnis bekam, weil sie den Mann tötete, der ihr Kind getötet hatte war ja schon ein guter Anfang. http://www.buzzfeed.com/alexcampbell/how-the-law-turns-battered-women-into-criminals?utm_term=yitcmd

Oder wir machen einfach selber was. Eine Flatrate für Qualitätsjournalismus alà Spotify und Netflix fände ich super. Die großen Verlage und auch wir haben noch gar nicht angefangen unser Repertoire an tollen Inhalten auszunutzen, wir sind einfach zu sehr damit beschäftigt neue zu schaffen.

 

nextMedia.Hamburg:  Sollten mehr Journalisten out-of-the-box denken und die feste oder freie Anstellung gegen das Gründen eintauschen?

Jennifer Schwanenberg: Ich mag es nicht, dass immer die Journalisten angesprochen werden. In Verlagen arbeiten so viel mehr Menschen als nur Journalisten. Und ja, die sollten alle über ihren Tellerrand hinaus blicken und sehen wo sie Mehrwert schaffen können.Gründen sollte generell jeder. Gründen ist ja glücklicherweise beliebig skalierbar, es macht Spaß etwas zu schaffen und macht einen zufrieden, dafür muss man auch nicht zwingend seine Festanstellung aufgeben. Man kann ein Netzwerktreffen, einen Betriebskindergarten oder eben ein Facebook gründen, man muss es eben nur machen.

 

nextMedia.Hamburg:   Vielen Dank für das Gespräch.

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

 

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