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25
Juli2013

Abenddämmerung für den Print-Journalismus in Hamburg

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Der Springer Verlag verkauft seine regionalen Tageszeitungs-Flaggschiffe, das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost. Vorbehaltlich einer Entscheidung des Bundeskartellamtes wird die Funke-Gruppe aus Essen für schätzungsweise 920 Millionen Euro zum 1. Januar des kommenden Jahres auch fünf Programm- und zwei Frauenzeitschriften, darunter „Hörzu“, „Bild der Frau“, „TV Digital“ und „Frau von heute“ übernehmen. Doch welche Auswirkungen hat das auf den Medienstandort Hamburg und wie zahlt das auf die Digital-Strategie von Springer ein? Next Media-Redakteur Jan C. Rode hat sich seine Gedanken gemacht.

Nun ist er also endlich da, der Abschied vom Papier. Die Natur wird es sicherlich freuen, doch was sagen die Beschäftigten in den Hamburger Redaktionen zur Entscheidung des Springer-Verlags? Die Funke-Gruppe ist nicht gerade dafür bekannt, zimperlich mit Arbeitsplätzen umzugehen, um „Synergieeffekte“ zu erzielen. Am besten also, die Betroffenen orientieren sich rechtzeitig um und beginnen, nach einem neuen Job zu suchen, viele Grüße an die Kollegen von den Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien, die schon im Spätherbst an der Elbe die Segel strichen.

Doch was tun, etwa in die PR abwandern und sich für Agenturen und Marken verdingen? Das wird nicht die Sache eines jeden Redakteuers sein und schon bald wird auch dieser Bereich von ehemaligen Journalisten überrant werden. Dann schon lieber die eigene Digitalkompetenz aufbauen: einen Blog starten und sich zur Marke entwickeln. Oder wie es Zeit.de-Chefredakteur Jochen Wegner formulierte: "Wir suchen etwa einen neuen Redakteurs-Typus, der programmieren und visualisieren kann und dabei den Journalismus nicht aus den Augen verliert. Wir könnten noch mehr davon in unserem Team brauchen, solche Kollegen bringen uns weiter. Die sind sehr gefragt derzeit."

Und die bösen Buben von Springer, die einfach so ihr journalistisches Erbe verscherbeln? Ganz so schlimm ist es nun doch nicht, auch wenn Spötter bemerken, in Berlin konzentriere man sich nun auf die publizistischen „Kernmarken ‚Metal Hammer‘ und ‚Autotuning‘“. Dabei ist die von Döpfner und Diekmann konsequent vorangetriebene Digitalisierung richtig. Schon jetzt tragen die Investments in idealo.de und andere Webseiten 30% zum Konzernumsatz bei. Aber heißt das auch, dass Springer nicht mehr per se an den Journalismus glaubt, wie beispielsweise SPON suggeriert? Nein! Die Verlagsstrategen glauben vielmehr nicht daran, mit pseudogroßen Zeitungen eine ähnliche Relevanz und journalistische Tiefe wie etwa bei der Süddeutschen Zeitung zu erreichen. Mit dem Personal von gestern und dem Mindset von vorgestern lässt sich eben auch bei größter Geduld als Dickschiff keine Transformation stemmen!

Selbstredend ist das Wehklagen am Standort Hamburg über den vermutlich neuerlichen Stellenabbau schon jetzt deutlich zu vernehmen. Aber anstatt den goldenen Tagen der Vergangenheit nachzutrauern, sollte man sich für die zweite Welle der Digitalisierung vorbereiten. Content und Inhalte bleiben nach wie vor wichtig, sie wandern nur vom Papier in viele andere Kontexte. Google hat durch seine diversen Updates im Suchalgorithmus beispielsweise sichergestellt, das Webseiten mit hochwertigen Inhalten höher gerankt werden - die Zeiten der SEO-Keyword-Spammer scheinen also vorbei. Und genau hier liegt die Chance in Hamburg, denn schließlich weiß man doch, wie man gutes Geld verdient...

Image: Springer-Verlagshaus Hamburg / KMJ on de.wikipedia

Autor: Jan C. Rode

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