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10
Febr.2014
Backyard TV

Backyard TV

Schöner Scheitern

Backyard TV: Schöner Scheitern – Müssen wir das Scheitern noch lernen?

In Deutschland spricht man nicht gern über Misserfolge. Besonders nicht in der Startup-Branche. Dennoch lassen sich die Zahlen der jährlichen „Offline-Gänge“ nicht leugnen: Das Magazin „deutsche-startups.de“ zählt allein für das vergangene Jahr 32 deutsche Startups, die ihren Betrieb einstellen mussten. Laut Wirtschaftswoche überleben 32 Prozent der Neugründungen die ersten drei Jahre nicht (Zahlen zum Scheitern). Der Blick auf die amerikanische Gründerszene zeigt eine weitaus offenere Einstellung zum Thema „Failing“. Dort liegt der Fokus primär auf dem Lernprozess, der für weitere Gründungen von Vorteil sein kann. Müssen wir Deutschen das Scheitern noch lernen? Gibt es vermeidbare Gründe, warum Startups scheitern? Welche Learnings kann man aus einer Pleite mitnehmen? Diesen Fragen geht der dritte Backyard TV Film „Schöner Scheitern“ der Initiative Hamburg@work auf den Grund. Die Gesprächspartner Heiko Hubertz, Investor und Gründer von Bigpoint, Stéphanie Diederichsen, Modedesignerin und Gründerin von Trendelephant, Christoph Biallas, Geschäftsführer und Mitgründer von 8seeds und Steven Smith, Mitgründer von betandsleep, berichten über ihre Erfahrungen mit dem Thema und geben hilfreiche Tipps an andere Gründer weiter.

Diese Backyard TV Folge liefert eine andere Sichtweise auf das Thema Scheitern – abseits von Stigmatisierung und Häme: Scheitern bietet Gründern die Möglichkeit, durch Fehler Erfahrungen zu sammeln, denn „Unternehmertum ist nichts anderes, als jeden Tag etwas Neues zu lernen“. Die Kunst sei, die Fehler beim nächsten Gründungsanlauf nicht zu wiederholen, argumentiert der Hamburger Gründer und die „Scheiter-Ikone“ Lars Hinrichs. Wie Hinrichs haben alle Backyard TV Interviewpartner im Film auf eine Art und Weise selbst Erfahrungen mit dem Thema Scheitern gemacht, sei es als Unternehmer oder Investor. So hält z. B. der Bigpoint Gründer Heiko Hubertz Beteiligungen an zahlreichen Startups, darunter die Hamburger Unternehmen wie Stuffle, Kreditech und Gigalocal. Letztgenanntes musste 2012 seinen Betrieb einstellen (Quelle: gruenderszene.de). „Gigalocal ist gescheitert, weil es die kritische Masse leider nicht erreicht hat. Aber das Team war gut, konnte Entscheidungen treffen und diese exekutieren. Mit dem Team arbeite ich jetzt in einem neuen Startup zusammen“, sagt Hubertz. Eine größere Überlebenschance sieht Hubertz bei Startups mit starken Teams, deren Angebote eine gewisse Marktgröße in Aussicht haben und die ihre „Marge im Griff haben“.

Die Unternehmerin Stéphanie Diederichsen ist vor der Gründung von Trendelephant mit einer Geschäftsidee für den asiatischen Markt gescheitert. Sie profitiert heute von ihren Erfahrungen aus der „Pleite“ für eine weitere anstehende Gründung. Sie berichtet offen über die Schwierigkeit, sich einzugestehen, dass das Unternehmen gescheitert ist: „Die Aufgabe der Geschäftsidee war für mich ein Prozess, ich musste mich von meiner Idee wie von einem menschlichen Partner verabschieden.“ Christoph Biallas gründete 2011 mit Freunden die Online-Agentur hom - hotel online-marketing, um kostengünstiges Online-Marketing für Hotels anzubieten. Die angestrebten Umsatzziele für die Agentur wurden nicht erreicht und das Projekt scheiterte. Ein Grund dafür war unter anderem, dass das Team nicht optimal miteinander arbeitete und die Zielsetzungen auseinander gingen. Sein wichtigstes Learning, das er Nachwuchsgründern an die Hand geben möchte: „Testet, testet, testet und seid nicht zu perfektionistisch, kommuniziert mit dem Kunden, geht raus, geht die ganz großen Probleme an und entscheidet Euch vorab, ab wann Euer Projekt als gescheitert gilt.“

Betandsleep Mitgründer Steven Smith bekam für seine Geschäftsidee Rückenwind durch Feedback der Crowd: Das Team schloss 2012 erfolgreich eine Crowdinvesting Kampagne bei Seedmatch (Quelle: deutsche-startups) ab. Als die Anschlussfinanzierung ausblieb, mussten die Gründer im Sommer 2013 den Geschäftsbetrieb einstellen. Sein wichtigstes Learning war, bei der Investorenwahl besser darauf zu achten, dass das Matching passt: „Es war ein Fehler, sich auf einen Investor zu fokussieren.“

Offen über eigene Misserfolge zu sprechen ist zwar nicht immer einfach, hilft jedoch unerfahreneren Gründern Fallstricken in einer Unternehmensgründung zu erkennen und ihnen auszuweichen. Ein wichtiges Fazit dieser Backyard TV Folge ist, dass Misserfolge in den meisten Fällen zu neuen Potentialen geführt haben. Es lohnt sich, sie mit der Welt zu teilen und aus Fehlern vergangener Projekte zu lernen.

 

Autorin: Sina Gritzuhn

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