NEW STORYTELLING
02
Okto.2014

Google aus Deutschland: SAP

Neulich beim gemeinsamen Mittagessen der Freelancer im betahaus Hamburg war auch ein SAP-Entwickler darunter, der sich gerade selbständig machen wollte. Schnell verlagerte sich die Diskussion auf Großprojekte, bei denen der Softwaregigant aus Walldorf je nach Vorbereitung das Zünglein an der Waage war. Doch SAP ist mehr als nur eine Software, die den Bediener zwingt, sich anzupassen, sondern ein Unternehmen, welches durch die neue Strategie von Vorstand Bill McDermott es mittlerweile locker mit den Datensammlern von Google aufnehmen kann.

Noch Ende der Nullerjahre, als man sich gerade von der gerichtlichen Auseinandersetzung mit CISCO erholt hatte, drohte SAP den Anschluss zu verlieren. Erst der Wechsel auf dem Chefposten und der Umbau zum Cloud-Anbieter brachte die (vorläufige) Wende. Neues Herzstück ist eine Hochgeschwindigkeits-Datenbank namens Hana. Eigentlich für Mittelständler und deren Anforderungen im Kosten- und Rechnungswesen entwickelt, machten die SAP-Strategen daraus ein leistungsfähiges Programm zur Verarbeitung von Echtzeitdaten. Prominenter Testkunde: Der Deutsche Fußballbund.

Bei der WM 2014 in Brasilien setzte das Team um Jogi Löw „SAP Match Insights“ ein, welches auf Hana basiert. In nur zehn Minuten kommen bei den Aktionen von zwei Spielen knapp sieben Millionen Datenpunkte zusammen – eine große Herausforderung für Datenhändler von SAP. Die App konnte aber mehr und half den Trainern, auf langwierige Videosessions vor den Spielen verzichten zu können. Spieler oder Mannschaftsteile bekamen wichtige Informationen mobil zur Verfügung gestellt – als Video, Statistik oder Grafik. So konnten sich die einzelnen Akteure völlig individuell auf ihre direkten Gegenspieler einstellen und herausfinden, wann es besser wäre, auf einen Sprint zu verzichten oder den Abstand zum Nebenmann nicht zu groß werden zu lassen.

SAP will mit Hana weiter im Sport punkten: So soll der Segelsport zu einer Formel 1 auf See werden, zudem hat das Team um McDermott den Gesundheitsmarkt fest im Blick. Zwar gehört Hana mit einem Umsatzvolumen von 664 Millionen Euro noch nicht zu den SAP-Dickschiffen, doch der Ausblick ist nicht zuletzt durch die Publicity dank des gewonnenen Weltmeistertitels und den Diskussionen über eine legale Leistungssteigerung durch Big Data gut. Derart animiert will der Konzern bis 2016 1 Milliarde Kunden gewinnen – im klassischen Softwaregeschäft hatte man seit der Gründung vor 40 Jahren nur 50 Millionen Kunden gewinnen können.

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