NEW STORYTELLING
23
April2013

Inside Interactive Storytelling

Seit Jahrtausenden erzählt sich die Menschheit Geschichten, ob nun früher am Lagerfeuer oder heute zum Feierabend in postmodernen Lounges. Die Aufgabe der Erzählung hat sich dabei aber nicht geändert. Noch immer werden damit vor allem soziale, historische oder moralische Konzepte vermittelt. Insbesondere im deutschsprachigen Kulturkreis hält sich jedoch die Annahme, dass Computerspiele nicht mehr sind als eine Ansammlung hohler Pixel. Medienkünstler Michael Bhatty räumte mit dieser Vorstellung im Rahmen des bitfilm-Festivals in Hamburg auf.

Ähnlich wie ein Romanautor stehen Gamedesigner nämlich vor der Aufgabe, glaubhafte Welten und Protagonisten zu erschaffen. Dabei orientieren auch diese sich an üblichen Storytelling-Reglen: visit, be someone and do things. „Geschichten sind dann besonders interessant, wenn sich nicht der Nachahmung von Menschen dienen, sondern Handlungen und Lebenswirklichkeit abbilden“, sagt Bhatty unter Verweis auf Aristoteles. Mittlerweile gilt es als Binsenweisheit, dass eine interessante Geschichte mindestens einen fundamentalen Konflikt bieten muss, beispielsweise zwei Hunde, die sich um einen Knochen streiten.

„Das Gameplay ist nicht wichtig, sondern die Story. Sie ist immer der bedeutendste Teil innerhalb einer Medienform. Und wenn Gameplay als strukturelles Konstrukt verstanden wird, dient es ebenfalls der Narration“, so der Game Designer und Autor von Farcry-Romanen. Insbesondere bei großformatigen Spielen, die tage- oder wochenlanges Gameplay ermöglichen, stellt sich die Frage nach der Rahmenhandlung. Bhatty bemüht deshalb das Hilfkonstrukt der α-Handlung, die eine primären Storyfluss vordefiniert, innerhalb dessen sich der Spieler fei bewegen kann, beispielsweise bei World of Warcraft.

Dennoch nimmt der Spieler seine Story linear wahr: „Spieler haben limitierte optionale Handlungsmöglichkeiten“ betont Bhatty. Gemeint sind damit interaktive Stories, die den Usern Handlungsoptionen bieten und auf seine Wahlentscheidungen im Rahmen einer α-Handlung reagieren. Nach Bhatty bleibt die Rezeption dann aber immer noch linear.

 

Bildnachweis: flickr.com User Lava Me Crazyâ„¢

Autor: Jan C. Rode

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