NEW STORYTELLING
20
Mai2012

Mobile Journalism: Wie Reporter zur Marke werden

Lauf- und Marathonveranstaltungen in Deutschland boomen. Quer durch die Republik trainieren Enthusiasten für die Königsdisziplin des Straßenlaufs und lassen sich am großen Tag von Freunden, Verwandten und Kollegen entlang der Strecke anfeuern. Micha Becker, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK Hamburg) drehte den Spieß jedoch um und berichtete live während des Rennens – als Teilnehmer.

Nur mit einem iPhone ausgerüstet  setzte der 30-jährige während des Laufes alle zehn Kilometer ein Tweet ab und drehte zudem ein kurzes Video von zwei bis drei Minuten – ohne anzuhalten. Hintergrund, so Becker, war eine Charity-Aktion, die er zugunsten eines im Vietnam-Krieg versehrten Hamburgers gestartet hatte. „Durch die Videos wollte ich meinen Unterstützern live etwas zurückgeben und zu noch mehr Spenden animieren“.

Zur Umsetzung der Aktion wurde außer Lauftraining nicht viel benötigt: „Wichtig war, die verschiedenen Kanäle wie Facebook und Twittervor dem Start zu synchronisieren, eine gute Livestreaming-Apps auszuwählen und auf meiner persönlichen Webseite einen HTML-Code einzubetten“, skizziert der Doktorand die für seine Aktion benötigte Medienkompetenz. Durch eine clevere Verknüpfung mit gängigen Hashtags am Marathontag konnte Becker zudem seine Followerschaft innerhalb von sozialen Netzwerken leicht erhöhen.

Diese neue Form der Live-Berichterstattung findet auch im Journalismus immer weitere Verbreitung. Namhafte Verlage wie Springer oder die Süddeutsche rüsten ihre Volontäre mit iPads aus, um sie zu mobilen Videojournalisten (um) zu schulen. Als Stadtteiljournalisten können die Nachwuchskräfte dann aktuell von Demonstrationen, Flashmobs oder weiteren Live-Events berichten. Diese neue Form der Berichterstattung macht es jedoch mehr denn je nötig, sich als Marke oder Gesicht hinter der Story zu platzieren.

Ein neuer Richard Gutjahr, der live aus New York via Twitter, Facebook und Co. vom Kauf des weltersten iPads berichtete, will Becker deshalb aber noch nicht werden. Sein neuestes Projekt dreht sich um spielerische Beteiligungsformen und Partizipationsprozesse innerhalb des städtischen Raumes und soll „in einer digitalen Schnitzeljagd“ münden.

Link zu den Videos:vhttp://bambuser.com/channel/raumtransfer

Bildnachweis: flickr.com/ User: agnus73, flickr.com/ User: jgarber

 

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