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16
März2015

Shelfsailor: Lagerraum in Hamburg und Deutschland suchen und finden

Das nächste Date, eine Mitfahrgelegenheit oder der nächste Job lassen sich längst auf Online-Plattformen finden. Stephan Creifelds, Miriam Bundel und Florian Dahms versuchen jetzt, Platz zu vermitteln – realen Platz. Wer keinen Keller hat und seine Winterreifen oder Sonnenliege deponieren will, kann dank des Hamburger Startups „Shelfsailor“ bei anderen Menschen Lagerraum finden. Damit haben Miriam und Stephan auch selbst Erfahrung: Miriam bietet ihren Dachboden an, Stephan hat noch eine Kiste mit Büchern, Yogamatten und Co. bei einer ehemaligen Vermieterin in New York stehen. Derzeit suchen die Gründer nach einem geeigneten Programm oder Investor. Im Gespräch mit nextMedia.Hamburg sprechen die Zwei über Lagerraum in Hamburg, Probleme der Share Economy und eine mögliche App.



In Hamburg wird seit einigen Jahren über den knapper werdenden Wohnraum und mögliche Gegenmaßnahmen diskutiert. Finden sich denn überhaupt genügend Anbieter von freien Abstellflächen?

Miriam: Es gibt genug Leute, die noch Platz haben, z. B. Eltern, deren Kinder bereits ausgezogen sind. Leute mit Keller, Dachboden, Abstellkammer oder Garagenfläche. Der Mangel an Wohnraum und die steigenden Mieten machen jeden Quadratmeter wertvoll. Da ist es doch sinnvoll, ungenutzte Flächen noch anzubieten, um Geld zu verdienen.

Wie sah euer beruflicher Werdegang aus, bevor ihr „Shelfsailor“ gegründet habt?

Miriam: Ich habe in Hamburg Kommunikationsdesign studiert und während des Studiums immer als Freelancer für Grafikdesign gearbeitet. Oft auch für Startups. Der Spirit und die Möglichkeit aus einer Idee ein Unternehmen mit Mitarbeitern aufbauen zu können, haben mich immer beeindruckt. Das wollte ich auch. Ich hatte mit einigen Freunden an einer App gebaut, die mich zu einer Festanstellung brachte. Das Projekt wurde aber leider nie weitergeführt und somit bin ich meinen eigenen Weg gegangen. Als ich im Juli 2014 auf dem Startup Weekend Hamburg Stephan kennenlernte, war ich sofort Feuer und Flamme.

Stephan: Ich habe in London studiert und danach dort gearbeitet. Dann folgten zehn Jahre beim Europäischen Patentamt, also nicht in der freien Marktwirtschaft. Startups haben mich in dieser Zeit aber immer mehr interessiert und deshalb beschloss ich 2011 in New York ein Startup zu gründen. 2014 war ich beim Startup Weekend in Hamburg und habe meine „Shelfsailor“-Idee gepitcht. So ist das Ganze entstanden.

„Shelfsailor“ setzt auf das Prinzip der Share Economy, suchende mit bietenden Menschen online zu vernetzen. Wie sichert ihr euch bzw. Eure Kunden rechtlich ab, wenn z. B. etwas geklaut werden sollte?

Stephan: Das Prinzip der Share Economy setzt in erster Linie auf Vertrauen zwischen den Parteien, sonst funktioniert auch kein Service wie Airbnb, Uber, Blablacar oder teilweise sogar eBay. Man lernt denjenigen kennen, mit dem man es zu tun hat und kann sich so vorher schon ein Bild machen. Und das funktioniert mittlerweile sehr gut. Außerdem hat jeder Anbieter ein Interesse daran, gut bewertet zu werden, um auch in Zukunft mitmachen zu können. Schwarze Schafe werden schnell bekannt und sind raus. Natürlich kann es Ausnahmen geben. Deshalb werden wir eine Versicherung anbieten, die in diesen eher unwahrscheinlichen Fällen eine Entschädigung bietet.

Die App von „WHY own it“ hat auch auf das Prinzip Share Economy gesetzt, musste aber kürzlich die Segel streichen. Welche Schlüsse zieht ihr daraus?

Stephan: Ich denke, dass das Ausleihen von Sachen an andere bei vielen Leuten negative Assoziationen hervorruft. Ich habe oft unangenehme Erfahrung damit gemacht, Bücher oder andere Dinge zu verleihen. Oft kamen die Gegenstände beschädigt oder gar nicht zurück. Heute noch bin ich sehr vorsichtig, wem ich etwas verleihe. Beim Verleihen an Fremde potenziert sich diese Befürchtung. Darin liegt meiner Meinung nach die Schwachstelle beim Geschäftsmodell von „WHY own it“.
Share Economy heißt nicht, dass es in allen Bereichen funktionieren muss. Der Markt ist noch recht neu – vor allem die Deutschen sind oft skeptisch und warten ab. „WHY own it“ hat hier Pionierarbeit geleistet. Wir sind überzeugt, dass unser Modell angenommen wird, weil es einfach Sinn macht und relativ wenige Risiken birgt.

Ist eine App zu „Shelfsailor“ geplant?

Stephan: Eine App sehe ich als natürlichen nächsten Schritt in unserer Entwicklung.


tl;dr (too long; didn’t read): Miriam und Stephan haben (mit Florian Dahms) die Plattform “Shelfsailor” gegründet, um Lagerräume anzubieten und zu suchen. Stephan geht davon aus, dass das Modell relativ wenige Risiken birgt. Eine Versicherung soll im schlimmsten Fall Entschädigung bieten.

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